Neulich fiel mir auf, wie oft das Wort Flexibilität in meinem Berufsalltag ganz selbstverständlich mitschwingt.
Nicht laut, nicht dramatisch – eher wie ein leiser Begleiter.
Wie ein gut eingelaufener Schuh: Man denkt nicht darüber nach, solange er funktioniert.
Als wäre es etwas, das man in der Pflege einfach mitbringt.
Oder sich über die Jahre aneignet, ohne es bewusst zu merken.
Politische Entscheidungen verändern Rahmenbedingungen über Nacht.
Strukturen werden umgebaut, Bereiche zusammengelegt, Konzepte neu gedacht.
Was gestern noch sicher schien, ist heute Übergangslösung.
Und mittendrin: wir.
Dann sind da wir selbst.
Wer mit zwanzig in die Pflege startet, ist mit vierzig nicht mehr dieselbe Person.
Prioritäten verschieben sich, Belastungsgrenzen auch.
Was früher selbstverständlich war – jedes Wochenende, jede Schicht – fühlt sich irgendwann anders an.
Nicht schlechter. Nur ehrlicher.
Und natürlich das Team.
Ein neuer Kollege kann frischen Wind bringen – oder alles durcheinanderwirbeln.
Eine neue Führung verändert Dynamiken.
Plötzlich ist nichts mehr, wie vorher, obwohl der Dienstplan gleich aussieht.
Manchmal kommt Veränderung schleichend.
Manchmal schlägt sie ein.
Zwangsversetzung: Neuer Bereich. Neues Team. Andere Dienstzeiten.
Kein langsames Gewöhnen, kein sanftes Ankommen – sondern Umziehen im Kopf über Nacht.
In solchen Momenten ertappe ich mich beim inneren Widerstand.
Beim Wunsch nach Stabilität, nach Verlässlichkeit, nach „Bitte nicht noch mehr Veränderung!“.
Und dann halte ich inne.
Und denke an unsere Patient*innen.
Und an ihre Angehörigen.
An den einen Satz, der alles verändert: „Wir haben da einen Befund.“
An Diagnosen, die Leben neu sortieren – ohne Vorwarnung, ohne Einarbeitungszeit.
An Familien, die von einem Tag auf den anderen flexibel sein müssen: emotional, organisatorisch, existenziell.
Plötzlich ist nichts mehr planbar.
Rollen verändern sich.
Zukunftsbilder verschwimmen.
Wie viel Flexibilität wird ihnen abverlangt?
Wie viel Anpassung, wie viel Kraft?
Dieser Gedanke erdet mich.
Er macht meine eigene Veränderung nicht kleiner – aber verständlicher.
Und erinnert mich daran, warum Pflege mehr ist als ein Arbeitsplatz.
Pflege heißt, beweglich zu bleiben.
Im System. Im Team. Im eigenen Leben.
Und manchmal auch im Herzen.
Rotkehlchen,
ist Advanced Practice Nurse in Wien, Student*in im Bereich Health Information Management und schreibt in der monatlichen Kolumne über Erfahrungen, Fragen und Perspektiven aus dem Pflegealltag.
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