In diesem Sommer drehte sich vieles um die Fußball-Weltmeisterschaft.
Es wurde gesprochen über Aufstellungen, Trainerentscheidungen und darüber, wer auf welcher Position spielt. Über einzelne Spieler, über gute Momente und über Fehler.
Und manchmal geht es auch um Themen, die mit dem eigentlichen Spiel nur noch am Rande zu tun haben.
Um Erwartungen. Um öffentliche Diskussionen. Denn die Weltmeisterschaft zeigt sehr deutlich; Fußball besteht nicht nur aus 90 Minuten.
Natürlich können einzelne Spieler ein Spiel entscheiden. Aber eine Mannschaft gewinnt nicht, weil eine Person allein alles richtig macht.
Erfolg entsteht durch Zusammenarbeit.
Und genau das kommt mir aus dem Gesundheitswesen sehr bekannt vor.
Auch hier funktioniert nichts allein. Gute Versorgung entsteht immer durch viele Menschen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und ihre Stärken einbringen.
Pflegepersonen, Mediziner*innen, Therapeut*innen, Mitarbeitende in der Verwaltung und viele mehr arbeiten gemeinsam daran, dass Menschen gut versorgt werden.
Dabei ist nicht jede Rolle gleich sichtbar.
Manche stehen im Mittelpunkt. Andere sorgen im Hintergrund dafür, dass es funktioniert.
Aber jede Position ist wichtig – und manchmal wünsche ich mir im Berufsalltag auch einen Schiedsrichter wie am Platz.
Trainer spielen im Sport eine besondere Rolle. Sie stehen nicht selbst auf dem Platz, schießen keine Tore und halten keinen Ball. Trotzdem beeinflussen sie die Mannschaft entscheidend.
Sie geben Orientierung, treffen Entscheidungen, entwickeln Strategien und müssen aus unterschiedlichen Menschen ein Team formen.
Auch Führung in der Pflege bedeutet genau das.
Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, Verantwortung zu übernehmen und Rahmen zu schaffen, in denen gute Arbeit möglich ist.
Aber eine Weltmeisterschaft zeigt noch etwas anderes; Keine Mannschaft spielt unabhängig von den Bedingungen, die sie umgeben.
Regeln werden festgelegt. Entscheidungen werden auf anderer Ebene getroffen. Erwartungen von außen entstehen.
Manchmal wird darüber diskutiert, wer Verantwortung trägt und welche Veränderungen notwendig sind.
Auch das kennen wir aus dem Gesundheitswesen.
Die Teams leisten täglich ihren Beitrag, aber sie arbeiten innerhalb von Rahmenbedingungen, die häufig durch politische Entscheidungen beeinflusst werden.
Gesetze, Finanzierung, Personalvorgaben oder Reformen wirken sich direkt auf den Alltag aus. Manche Entscheidungen schaffen neue Möglichkeiten, andere bringen zusätzliche Herausforderungen.
Vielleicht ist das die eigentliche Verbindung zwischen Fußball und Gesundheitswesen:
Auf dem Spielfeld sehen wir die sichtbare Leistung.
Aber dahinter stehen viele Menschen, viele Entscheidungen und viel Zusammenarbeit.
Im Fußball gibt es am Ende einen Pokal. Im Gesundheitswesen gibt es keine Pokale und keine Siegerehrung.
Aber wenn Menschen gut versorgt werden und ein Team gemeinsam Herausforderungen meistert, dann ist das unser Sieg.
Rotkehlchen,
ist Advanced Practice Nurse in Niederösterreich, Absolvent*in im Bereich Health Information Management und schreibt in der monatlichen Kolumne über Erfahrungen, Fragen und Perspektiven aus dem Pflegealltag.
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