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Karin Wolf-Ostermann
ProKIP
Innovationsleistung von KI-Pflege-Projekten und der Pflegepraxis sichtbar machen

Künstliche Intelligenz (KI) hat großes Potenzial, Pflege zu entlasten und Selbstständigkeit zu fördern – doch Herausforderungen wie Datenschutz, Datenqualität und Akzeptanz bleiben. ProKIP unterstützte KI-Projekte in Deutschland praxisnah und entwickelte das „KI-Pflege-Readiness-Assessment“ (KIP-RA) zur Bewertung von Umsetzungsreife. Für seinen innovativen Beitrag erhielt das Projekt 2026 den Sonderpreis „Ideas for Impact“ der Robert Bosch-Stiftung.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Pflege gewinnt zunehmend an Bedeutung, da hierdurch ein großes Potential entsteht, pflegende Personen zu entlasten und Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf in ihrer Autonomie zu stärken. So unterstützen KI-Systeme bspw. Pflegepersonen dabei, Routinetätigkeiten zu automatisieren, administrative Prozesse zu optimieren und bei der Versorgung von Pflegebedürftigen Entscheidungshilfen zu liefern (Hassanein et al., 2025; Hunstein & Fiebig, 2024; O’Connor et al., 2023; Seibert et al., 2023, 2021). Insbesondere in organisatorischen und dokumentarischen Abläufen zeigt KI großes Potenzial. Zudem fördern KI-Anwendungen das Selbstmanagement von Menschen mit chronischen Erkrankungen, steigern ihre Lebensqualität und entlasten pflegende Angehörige. In Deutschland haben Pflegepersonen bisher jedoch nur sporadisch direkten Kontakt mit KI-Systemen im Alltag (Sommer et al., 2024). Praktische Beispiele sind Sturzerkennungssysteme, automatisierte Wundverlaufserfassung, sprachbasierte Dokumentation und soziale Roboter zur Betreuung (Hung et al., 2025; Lukas et al., 2021; Majjouti et al., 2025; Schwabe et al., 2025). Ziel dieser Anwendungen ist es, die Pflegequalität zu verbessern und die Belastung des Pflegepersonals zu reduzieren.

Pflege- KI-Projekte stehen dabei oft vor erheblichen Herausforderungen: Datenschutz und ethische Verantwortung bei der Nutzung sensibler Gesundheitsdaten sind zentrale Bedenken. Zudem sind viele Pflegedaten von mangelnder Qualität – sie sind oft unvollständig, heterogen oder nicht digital verfügbar. Hinzu kommen technische und organisatorische Hürden, wie die Integration in bestehende IT-Systeme von Gesundheitseinrichtungen. Und nicht zuletzt ist die Akzeptanz von KI bei Pflegenden und Pflegebedürftigen entscheidend für den Erfolg (Seibert et al., 2023; Wolf-Ostermann et al., 2021; Wolf-Ostermann & Rothgang, 2024). Ein gelungener Einsatz von KI in der Pflege erfordert daher nicht nur technologische, sondern auch ethische, datenschutzkonforme und menschzentrierte Ansätze. Aus diesen Gründen stehen Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu KI in der Pflege oft vor einer Vielzahl von Problemen, die eine erfolgreiche Entwicklung und eine nachfolgende Implementierung von KI-Systemen in die Versorgungspraxis erschweren.

In Deutschland erfolgte daher für die Jahre 2021-2025 vom dortigen Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eine Förderung von innovativen Lösungen der Künstlichen Intelligenz für die Pflege, bei der vorrangig softwarebasierte innovative Anwendungen der Künstlichen Intelligenz gefördert wurden, die Pflegekräfte und pflegende Angehörige unterstützen sowie die Selbstbestimmung und Lebensqualität pflegebedürftiger Personen verbessern.  Das Projekt „Prozessentwicklung und -begleitung zum KI-Einsatz in der Pflege (ProKIP)[1]“ ist ein wissenschaftliches Begleit- und Vernetzungsprojekt im Rahmen dieser Förderlinie, das zum Ziel hatte, den sinnvollen, praxisnahen und verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Pflege zu unterstützen und die Lücke zwischen technologischer Entwicklung und praktischer Anwendung im Pflegealltag zu schließen.  Koordiniert wird ProKIP unter der Leitung Prof. Dr. Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit Partnern wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Institut für Medizinische Informatik), der Berliner Hochschule für Technik ( Forschungszentrum Data Science), dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft gGmbH sowie dem Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft e.V. (vediso) und dem Institut für Philosophie an der Universität Bremen.

Im Mittelpunkt von ProKIP steht dabei nicht die Entwicklung einzelner KI-Anwendungen, sondern die Frage, wie KI-Systeme erfolgreich in Pflegeeinrichtungen integriert werden können. Dafür begleitete das Projekt acht Verbundvorhaben aus dem Förderprogramm „Repositorien und KI-Systeme im Pflegealltag nutzbar machen“. Diese Projekte erprobten unterschiedliche KI-Anwendungen, etwa zur Unterstützung bei Dokumentation, Risikoerkennung oder Versorgungsplanung. ProKIP übernahm dabei eine koordinierende, beratende und evaluierende Rolle. Durch Workshops, Forschungswerkstätten („Labs“), Coaching-Formate und eine digitale Austauschplattform werden Akteure aus Pflegepraxis, Wissenschaft, Technikentwicklung und Ethik miteinander vernetzt. Ziel ist es, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Lösungen für den Einsatz von KI in der Pflege zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Identifikation von Erfolgsfaktoren und Herausforderungen beim KI-Einsatz in der Pflege. Dazu gehören beispielsweise Fragen der Interoperabilität von Daten, regulatorische Rahmenbedingungen, Akzeptanz im Pflegealltag sowie die Sicherstellung eines echten Nutzens für Pflegekräfte und Pflegebedürftige. Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist das sogenannte KI-Pflege-Readiness-Assessment (KIP-RA) (Seibert et al., 2026). Dieses Instrument dient dazu, den Reifegrad und die Umsetzungsfähigkeit von KI-Projekten in der Pflege zu bewerten. Dabei werden unter anderem technische Voraussetzungen, Datenqualität, Datenschutz, ethische Aspekte sowie die Einbindung von Pflegekräften und weiteren Beteiligten berücksichtigt. Ziel ist es, Projekte frühzeitig so zu gestalten, dass sie in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden können.

Für seinen innovativen Beitrag zur Digitalisierung und Verbesserung der Pflege erhielt ProKIP 2026 den Sonderpreis „Ideas for Impact“ der Robert Bosch-Stiftung. Ausgezeichnet wurde insbesondere der Ansatz, KI nicht nur technisch zu entwickeln, sondern gemeinsam mit der Pflegepraxis nachhaltig in die Versorgung zu überführen.

 

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Fußnoten

[1] https://prokip.care/

Literatur

 Literatur:

Hassanein, S., El Arab, R. A., Abdrbo, A., Abu-Mahfouz, M. S., Gaballah, M. K. F., Seweid, M. M., Almari, M., & Alzghoul, H. (2025). Artificial intelligence in nursing: an integrative review of clinical and operational impacts. Front Digit Health, 7, 1552372. https://doi.org/10.3389/fdgth.2025.1552372

Hung, L., Zhao, Y., Alfares, H., & Shafiekhani, P. (2025). Ethical considerations in the use of social robots for supporting mental health and wellbeing in older adults in long-term care. Front Robot AI, 12, 1560214. https://doi.org/10.3389/frobt.2025.1560214

Hunstein, D., & Fiebig, M. (2024). Staff Management with AI: Predicting the Nursing Workload. Stud Health Technol Inform, 315, 231-235. https://doi.org/10.3233/SHTI240142

Lukas, A., Maucher, I., Bugler, S., Flemming, D., & Meyer, I. (2021). [Security and user acceptance of an intelligent home emergency call system for older people living at home with limited daily living skills and receiving home care]. Z Gerontol Geriatr, 54(7), 685-694. https://doi.org/10.1007/s00391-020-01763-w (Sicherheit und Nutzerakzeptanz eines intelligenten Hausnotrufsystems im Einsatz bei alteren pflegebedurftigen zu Hause lebenden Menschen mit eingeschrankter Alltagskompetenz.)

Majjouti, K., Priester, V., Tapp-Herrenbrueck, M., Brehmer, A., Pinnekamp, H., Aleithe, M., Fischer, U., Kleesiek, J., & Hosters, B. (2025). Nursing-centered development of an AI-based decision support system in pressure ulcer and incontinence-associated dermatitis management – a mixed methods study. BMC Nursing, 24(1). https://doi.org/10.1186/s12912-025-03448-4

O’Connor, S., Yan, Y., Thilo, F. J. S., Felzmann, H., Dowding, D., & Lee, J. J. (2023). Artificial intelligence in nursing and midwifery: A systematic review. J Clin Nurs, 32(13-14), 2951-2968. https://doi.org/10.1111/jocn.16478

Schwabe, K., Ferizaj, D., & Neumann, S. (2025). Reducing Nurses‘ Workload with an AI Speech Assistant for Documentation First International Conference on AI in Medicine and Healthcare (AiMH‘ 2025). 8-10 April 2025, Innsbruck, Austria.

Seibert, K., Domhoff, D., Bruch, D., Schulte-Althoff, M., Fürstenau, D., Biessmann, F., & Wolf-Ostermann, K. (2021). Application Scenarios for Artificial Intelligence in Nursing Care: Rapid Review. J Med Internet Res, 23(11), e26522. https://doi.org/10.2196/26522

Seibert, K., Domhoff, D., Fürstenau, D., Biessmann, F., Schulte-Althoff, M., & Wolf-Ostermann, K. (2023). Exploring needs and challenges for AI in nursing care – results of an explorative sequential mixed methods study. BMC Digital Health, 1(1). https://doi.org/10.1186/s44247-023-00015-2

Seibert, K., Domhoff, D., Altona, J., Jäger, S., Bießmann, F., Nowak, A., Gubser, R., Schulte-Althoff, M., Fürstenau, D., Pohle, J., Bergmann, L., Walter, D., Beier, K., Borchers, D., Wolf-Ostermann, K .(2026). Readiness assessment for AI in nursing care projects (AINCRA): a multimethods study. JMIR Nursing. 21/04/2026:84148 (forthcoming/in press). DOI: 10.2196/84148

Sommer, D., Schmidbauer, L., & Wahl, F. (2024). Nurses‘ perceptions, experience and knowledge regarding artificial intelligence: results from a cross-sectional online survey in Germany. BMC Nurs, 23(1), 205. https://doi.org/10.1186/s12912-024-01884-2

Wolf-Ostermann, K., Fürstenau, D., Theune, S., Bergmann, L., Bießmann, F., Domhoff, D., Schulte-Althoff, M., & Seibert, K. (2021). Konzept zur Einbettung von KI-Systemen in der Pflege: Sondierungsprojekt zu KI in der Pflege (SoKIP).

Wolf-Ostermann, K., & Rothgang, H. (2024). Digitale Technologien in der Pflege – Was können sie leisten? Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 67, 324-331. https://doi.org/10.1007/

Zur Person

Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann (für die ProKIP-Projektgruppe)
Professorin für Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung
Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung

Wolf-Ostermann, K.
(2026, August 5).
ProKIP
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/prokip

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