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Ramona Watterkotte & Dr. Elmar Ludwig
Anspruch und Versorgungsrealität - Mundgesundheit in der Pflege

Die Mundgesundheit stellt einen wesentlichen Bestandteil des allgemeinen Wohlbefindens und der gesundheitlichen Stabilität pflegebedürftiger Menschen dar. Dennoch zeigt sich in der Versorgungspraxis, dass sie häufig nicht die Aufmerksamkeit erhält, die ihrer Bedeutung entspricht. Insbesondere in der ´Langzeitpflege bestehen weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der Einschätzung, Durchführung und Priorisierung mundpflegerischer Maßnahmen.

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Pflegekräfte sehen sich im Alltag mit komplexen Situationen konfrontiert: Pflegebedürftige Menschen, etwa mit kognitiven Einschränkungen, verweigern nicht selten die Mundpflege oder reagieren mit Abwehrverhalten. Gleichzeitig können Veränderungen im Mundraum wie Beläge, Entzündungen oder unangenehmer Geruch auftreten, deren Bewertung und Einordnung nicht immer eindeutig ist. In solchen Situationen fehlt es häufig an klaren Handlungsleitlinien im konkreten Moment der Versorgung.

Studien und Praxisbeobachtungen zeigen, dass Defizite in der Mundgesundheit weitreichende Folgen haben können. Neben lokalen Erkrankungen wie Karies, Gingivitis oder Parodontitis stehen auch systemische Zusammenhänge im Fokus. So kann eine unzureichende Mundhygiene das Risiko für Aspirationspneumonien erhöhen oder sich negativ auf die Nahrungsaufnahme und damit den Ernährungszustand auswirken. Trotz dieser bekannten Zusammenhänge bleibt die Mundpflege im Pflegeprozess oft untergeordnet gegenüber anderen pflegerischen Aufgaben.

Ein wesentlicher Faktor ist die fehlende Handlungssicherheit. Pflegekräfte berichten, dass sie zwar grundlegendes Wissen besitzen, dieses jedoch im Pflegealltag nicht immer sicher anwenden können. Fragen nach der richtigen Technik, dem Umgang mit Zahnersatz oder der Einschätzung von Auffälligkeiten führen zu Unsicherheiten. Hinzu kommt, dass die Mundpflege häufig unter Zeitdruck erfolgt und wenig Raum für eine differenzierte Beobachtung bleibt.

Auch die interprofessionelle Zusammenarbeit stellt eine Herausforderung dar. Der Austausch zwischen Pflege und Zahnmedizin ist vielerorts nicht ausreichend strukturiert. Dadurch werden notwendige zahnärztliche Abklärungen verzögert oder unterbleiben ganz. Eine frühzeitige Erkennung von Problemen und eine abgestimmte Versorgung könnten jedoch maßgeblich zur Verbesserung der Mundgesundheit beitragen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Ausbildung und Fortbildung. Die Vermittlung mundpflegerischer Kompetenzen ist zwar Bestandteil der Pflegeausbildung, wird jedoch in der Praxis häufig als nicht ausreichend empfunden. Es besteht ein Bedarf an praxisnahen, alltagsorientierten Lernangeboten, die Pflegekräfte in ihrer Handlungssicherheit stärken und ihnen konkrete Strategien für herausfordernde Situationen vermitteln.

In den letzten Jahren wurden daher vermehrt digitale Lernangebote entwickelt, die diesen Bedarf aufgreifen. Ein Beispiel ist die Plattform mund-pflege.net, die pflegerische Situationen rund um die Mundgesundheit strukturiert aufbereitet und mit praxisbezogenen Inhalten verknüpft. Solche Ansätze können dazu beitragen, Wissen zugänglich zu machen und die Umsetzung im Pflegealltag zu unterstützen.

Für die Praxis lässt sich festhalten, dass die Mundgesundheit systematisch in den Pflegeprozess integriert werden sollte. Dazu gehört eine regelmäßige Inspektion des Mundraums, die frühzeitige Erkennung von Auffälligkeiten, eine nachvollziehbare Dokumentation sowie die Einleitung geeigneter Maßnahmen. Ebenso wichtig ist die Einbindung weiterer Berufsgruppen, um eine ganzheitliche Versorgung sicherzustellen.

Die aktuelle Situation macht deutlich, dass die Mundgesundheit in der Pflege weiterhin ein Entwicklungsfeld darstellt. Neben individuellen Kompetenzen der Pflegekräfte sind organisatorische Rahmenbedingungen, interprofessionelle Strukturen und praxisnahe Bildungsangebote entscheidend, um die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Nur durch ein Zusammenspiel genannter Faktoren kann die Mundgesundheit als selbstverständlicher Bestandteil professioneller Pflege etabliert werden.

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Zur Person

Ramona Watterkotte,
M.A. Schulmanagement
B.A. Sozialpädagogik u. Soziologie
Pflegedienstleiterin und zertifizierte Wundtherapeutin.

Dr. Elmar Ludwig
Zahnarzt, Mitglied der Arbeitsgruppe für den Expertenstandard Förderung der Mundgesund

Watterkotte, R.
(2026, June 26).
Anspruch und Versorgungsrealität - Mundgesundheit in der Pflege
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/anspruch-und-versorgungsrealitaet-mundgesundheit-in-der-pflege

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