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Oliver Kral
Hygiene goes viral – Risiken und Nebenwirkungen von Fachpersonal auf Social Media

Im Rahmen einer ersten Erhebung wurde erfasst, inwiefern Angehörige von Gesundheitsprofessionen als medfluencer bzw. nursefluencer geltende Vorgaben hinsichtlich Händehygiene einhalten. Als Hauptproblem wurde hierbei das Tragen von Uhren und Armbändern in sensiblen Situationen identifiziert.

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Die Pflege, Betreuung und Versorgung kranker und hilfsbedürftiger Menschen birgt sowohl im klinischen als auch im präklinischen Setting ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern sowie nosokomialer Infektionen [healthcare-associated infections, HAIs] (Muters, et al., 2013; Ciccacci, F., et al, 2024; Biehl, L.M., et al, 2014). Basierend darauf, wurden entsprechende Empfehlungen durch das Robert-Koch-Institut [RKI] formuliert. Diese weisen auch darauf hin, dass für eine korrekte Durchführung der Händehygiene das Tragen von Nagellack, künstlichen Fingernägel sowie Armbänder, Uhren oder sonstiger Schmuck, hinderlich sind (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention [KRINKO], 2016). Konkreter nennen es Kramer et al. (2023) in der aktuellen AWMF[1]-Leitlinie, dass das Tragen von Schmuckstücken, Ringen, Armbanduhren etc. nicht nur die sachgerechte Durchführung der Händehygiene behindern, sondern auch ein Erregerreservoir darstellen kann. Daher sei dies zu unterlassen (Kramer et al, 2023).

Trotz all diesem verfügbaren Wissen, begegnet der Autor in der Praxis sowohl im präklinischen als auch im klinischen Setting Fachpersonen, welche diese einfachste und günstigste Maßnahme der Infektionsprävention nicht einhalten. Auch im Bereich der SocialMedia [SM] konnten diese Beobachtungen zunehmend gemacht werden.

Koisser, Reitzinger und Czypionka (2023) zeigten bereits auf, dass die Nutzung von SM zunimmt, und diese einen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit haben können. Als besonderes Risiko heben sie die rasche Verbreitung von Fehl- und Desinformation auf SM heraus (Koisser et al, 2023). Die Plattform datareportal.com weist für 2025 eine Nutzung von 80,1% [7,3 Mio.] der österreichischen Bevölkerung aus. Im Schnitt verbrachten die Nutzerinnen knapp 44 Std. auf TikTok, knapp 10 Std. auf Instagram, sowie knapp 10 Stunden auf Facebook pro Monat (datareportal.com; abgerufen November 2025). Neben den Standard-User:innen finden sich auf den genannten SM-Plattformen auch Influencer:innen. Dies sind Personen mit einer hohen Reichweite, welche zu gewissen Themenfeldern Trends setzen und eine hohe Anerkennung, sowie Glaubwürdigkeit und Vertrauen genießen (Deges, 2026). Im Bereich des Gesundheitswesens haben sich Begriffe wie medfluencer oder nursefluencer etabliert. Diese beschäftigen sich mit bestimmten Erkrankungen, Ernährung etc. oder stellen auch Berufsbilder sowie -rollen vor (Randig, Lindner & Ströhlein, 2025). Sie fungieren, so wie normale Influencer:innen auch, als Role-Models für die Followerschaft bzw. ihre Community. Typischerweise verwenden sie Insignien, um Vertrauen aufzubauen. Darunter fällt die Verwendung von Berufstiteln im Usernamen, das Tragen von Stethoskop oder Funktionskleidung, sowie der verbale Hinweis auf die berufliche Rolle oder den Berufstitel. Dadurch wird der übermittelten Information oder Botschaft, für beobachtende Nutzer:innen, mehr Glaubwürdigkeit zugesprochen. Wir Menschen lernen vor allem durch Beobachten, Nachahmen oder Befolgung von Ratschlägen von Expert:innen (Olsson, Knapska & Lindström, 2020; Pereg et al, 2024). Diese Expert:innenrolle nehmen die medfluencer / nursefluencer ein. Jeder geteilte Beitrag, jede Story, jedes Reel etc. wird in den SM von den Nutzer:innen gesehen, und die jeweilig erstellende Person aufgrund der genutzten Insignien und des Framings als Expertin oder Experte eingestuft. Somit dienen sie als Role-Model für die User:innen.

Vor diesem Hintergrund wurde in weiterer Folge eine Erhebung auf SM durchgeführt.

Dafür waren folgende Fragestellungen leitend:

  • Wie präsentieren sich Healthcare professionals [HP] auf SocialMedia hinsichtlich Einhaltung hygienischer Vorgaben und Empfehlungen?
  • Wie halten HPs die Vorgaben zur Händehygiene auf SocialMedia ein?

Folgende Kriterien wurden vorab für die Erhebung definiert:

Die Datensammlung fand im Zeitraum Mai bis November 2025 auf den drei meistgenutzten SM-Plattformen, TikTok, Instagram sowie Facebook statt. Die Identifikation der Datensätze erfolgte mittels:

  • hashtagbasierter Suche (#Arzt, #Pflege, #Nursing, #doctor, #medfluencer, #nursefluencer, …)
  • durch den Algorithmus vorgeschlagener Profile sowie Beiträge und Videos
  • verlinkter Profile bei entsprechenden Beiträgen

Die Beiträge wurden mittels Screenshots bzw. Screenrecord gespeichert und protokolliert, sowie mit einem Pseudonym versehen. In einem weiteren Schritt wurden alle Bereiche unkenntlich gemacht, welche Rückschlüsse auf die Personen oder die Profile zulassen würden. Die Analyse erfolgte im Anschluss mittels standardisierten Protokolls, in welchem zuerst das Pseudonym angeführt wurde, gefolgt von einer Beschreibung der gezeigten Handlung / Situation. Zum Schluss wurde festgehalten, ob die Händehygiene eingehalten wurde oder nicht. Wurden andere Empfehlungen abseits der Händehygiene nicht eingehalten, so wurde dies nicht erfasst.

Bisher konnten 150 Datensätze ausgewertet werden. Als häufigster Mangel zeigt sich hierbei das Tragen einer Uhr am Handgelenk, gefolgt von Armbändern und Ringen. Die Settings umfassen sowohl den präklinischen Bereich, den klinischen Bereich, als auch Ordinationen sowie den Ausbildungsbereich. Unermesslich war dabei, ob die Profile von Privatpersonen oder Unternehmen betrieben wurden. Auch namhafte Betriebe im Gesundheitswesen, die auch im Bereich der Ausbildung tätig sind, finden sich in den Aufzeichnungen.

Die gezeigten Berufsbilder reichen von Medizinstudierenden, Ärzt:innen, Sanitäter:innen, Gesundheits- und Krankenpflegepersonal bis hin zu Medizinischen Assistenzberufen sowie Ordinationsassistent:innen.

Folgende Beschreibungen sollen im Sinne von Ankerbeispielen dienen:

Situation OP:

Im unteren Bildausschnitt ist ein menschliches Bein zu sehen, welches auf einem OP-Tisch liegt. Der Ausschnitt reicht von den Zehen bis in den Leistenbereich. Ebenfalls zu sehen ist eine bereits angebrachte Blutsperre. Im Hintergrund ist das typische piepen eines Überwachungsmonitors zu hören, welcher im Takt der Herzfrequenz piepst. Der Arzt steht mit Mundschutz in Bereichskleidung beim OP-Tisch und erklärt den nun kommenden Eingriff. Hierbei trägt er an der linken Hand eine Armbanduhr. Am rechten Unterarm ist ein schwarzes Armband zu sehen. Unmittelbar neben dem OP-Tisch sind Beistellwägen mit bereits ausgepackten Instrumenten zu sehen.

Situation Präklinik:

Sanitätspersonal legt eine periphere Venenverweilkanüle. Hierbei werden von der Person blaue Handschuhe getragen. Zeitgleich sieht man die Kombination aus langen Ärmeln, sowie einer schwarzen Smartwatch am linken Handgelenk, welche nur zu einem Viertel vom Handschuh bedeckt ist.

Situation Ordination:

Eine Person führt eine Blutabnahme durch. Hierbei werden keine Handschuhe getragen. Es ist deutlich erkennbar, dass die zu langen Fingernägel der Person welche die Blutabnahme durchführt zusätzlich mit Nagellack verziert sind.

Situation Ausbildungsbereich:

Eine männliche Person führt einer Gruppe in einem Eingriffsraum vor, wie das Laryngoskop korrekt verwendet wird (hierbei kein Patient ersichtlich). Jede Person, welche im Raum zu sehen war, inklusiver der anleitenden männlichen Person, trägt eine Uhr in Dienstkleidung.

Beantwortung der einleitenden Fragestellungen

An dieser Stelle können die einleitenden Fragestellungen nun beantwortet werden. In nahezu allen erfassten und analysierten Fällen wurden Vorgaben und Empfehlungen der Händehygiene durch die medfluencer bzw. nursefluencer nicht korrekt eingehalten. Wie eingehend erwähnt, wurde das Augenmerk lediglich auf die Händehygiene gelegt und andere Abweichungen nicht beachtet oder protokolliert. Hierbei war kein wesentlicher Unterschied zwischen den Professionen erkennbar.

Limitationen

Diese Erhebung war eine erste Pilotstudie zu diesem Themenbereich. Es fand selbstredend keine Vollerhebung aller verfügbaren Inhalte oder Kanäle statt. Die Erhebung wurde durch den Autor allein durchgeführt und ausgewertet. Es fand somit kein Peer-Review der Bewertungen statt. Ebenso wurden bei dieser Erhebung korrekt durchgeführte Situationen nicht miterfasst.

Fazit und Ausblick

Auch wenn diese Erhebung nur einen ersten Schritt bedeutet, zeigt sie durchaus auf, dass das Thema der Händehygiene nicht in der analogen Welt endet. Wenn Medfluencer bzw. Nursefluencer Standards ignorieren, suggeriert dies, Hygiene sei nur lästige Theorie. Mikroorganismen unterscheiden jedoch nicht zwischen Station und Videodreh. Es zeigt sich auch immer häufiger in KI-generierten Bildern, wo Gesundheitspersonal typischerweise mit Uhr an der Hand erstellt wird.

Es braucht aus Sicht des Verfassers mehr Bewusstsein und Sensibilisierung dafür, dass wir nicht nur die richtigen Dinge machen müssen, sondern vor allem die Dinge richtig machen müssen. Es ist wichtig, dass Gesundheitspersonal auf SM aktiv ist, und Aufklärung sowie Informationen teilt. Dies sollte aber professionell und somit korrekt in jeglicher Hinsicht erfolgen.

Zum Schluss vielen Dank an die medfluencerin @alyssa.celine_ welche das erste Profil einer Ärztin im Rahmen der Erhebung war, die in allen relevanten Beiträgen die Händehygiene korrekt eingehalten hat.

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Literatur

Biehl, L. M., Schmidt-Hieber, M., Liss, B., Cornely, O. A., & Vehreschild, M. J. (2016). Colonization and infection with extended spectrum beta-lactamase producing Enterobacteriaceae in high-risk patients – Review of the literature from a clinical perspective. Critical reviews in microbiology42(1), 1–16. https://doi.org/10.3109/1040841X.2013.875515

Ciccacci, F., De Santo, C., Mosconi, C., Orlando, S., Carestia, M., Guarente, L., Liotta, G., Palombi, L., & Emberti Gialloreti, L. (2024). Not only COVID-19: a systematic review of anti-COVID-19 measures and their effect on healthcare-associated infections. The Journal of hospital infection147, 133–145. https://doi.org/10.1016/j.jhin.2024.02.008

Deges, F. (o. J.). Influencer. In Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Fachmedien Wiesbaden. Abgerufen am 05.01.2026, von https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/influencer-100360

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention [KRINKO]. (2016). Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens: Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 59(9), 1189–1220. https://doi.org/10.1007/s00103-016-2416-6

Koisser, L., Reitzinger, S., & Czypionka, T. (2023). Einfluss sozialer Medien auf Gesundheitsverhalten und öffentliche Gesundheit. Health System Watch 2, Institut für Höhere Studien (IHS). Verfügbar unter https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/6549/1/hsw-health-system-watch-2-2023-koisser-reitzinger-czypionka-einfluss-sozialer-medien.pdf

Kramer, A., Seifert, J., Abele-Horn, M., Arvand, M., Biever, P., Blacky, A., Brinkmann, F., Buerke, M., Ciesek, S., Chaberny, I., Deja, M., Engelhart, S., Eschberger, D., Gruber, B., Hedtmann, A., Heider, J., Hoyme, U. B., Jäkel, C., Kalbe, P., Luckhaupt, H., Novotny, A., Papan, C., Piechota, H., Pitten, F.-A., Reinecke, V., Schilling, D., Schulz-Schaeffer, W., & Sunderdiek, U. (2023). S2k-Leitlinie Händedesinfektion und Händehygiene (AWMF-Register-Nr. 075-004). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. https://register.awmf.org/assets/guidelines/075-004l_S2k_Haendedesinfektion-und-Haendehygiene_2023-09.pdf

Mutters, N. T., Mersch-Sundermann, V., Mutters, R., Brandt, C., Schneider-Brachert, W., & Frank, U. (2013). Control of the spread of vancomycin-resistant enterococci in hospitals: epidemiology and clinical relevance. Deutsches Arzteblatt international110(43), 725–731. https://doi.org/10.3238/arztebl.2013.0725

Olsson, A., Knapska, E., & Lindström, B. (2020). The neural and computational systems of social learning. Nature reviews. Neuroscience21(4), 197–212. https://doi.org/10.1038/s41583-020-0276-4

Pereg, M., Hertz, U., Ben-Artzi, I., & Shahar, N. (2024). Disentangling the contribution of individual and social learning processes in human advice-taking behavior. NPJ science of learning9(1), 4. https://doi.org/10.1038/s41539-024-00214-0

Randig, J., Lindner, J., & Ströhlein, L. M. (2025). Medfluencer: Kann ich Gesundheitsexperten im Netz vertrauen? Stiftung Gesundheitswissen. Abgerufen am 05.01.2026, von https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundheitsinformationen-verstehen/medfluencer

Zur Person

Oliver Kral, BSc, MA,

ist Gründer und Betreiber der Pflege-Academy.

(2026, February 15).
Hygiene goes viral – Risiken und Nebenwirkungen von Fachpersonal auf Social Media
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/hygiene-goes-viral-risiken-und-nebenwirkungen-von-fachpersonal-auf-social-media

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