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Eva Ortmann-Welp
Macht mit Haltung - Führung berufsspezifisch und ethikorientiert gestalten
pflegekongress26 Vortrags Preview

Führung im Gesundheitswesen ist weit mehr als Organisation und Aufgabensteuerung. Sie beeinflusst Kommunikation, Teamkultur, Motivation und letztlich auch die Qualität der Patientenversorgung. Besonders im pflegerischen Kontext wird deutlich, dass Führung immer auch mit Macht verbunden ist: mit der Macht, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu verteilen, Informationen weiterzugeben oder Handlungsspielräume zu begrenzen. Vor dem Hintergrund des Kongressmottos „Kommunikation. Macht. Vertrauen.“ widmet sich der Vortrag der Frage, wie Führung gestaltet werden kann, damit Macht nicht dominierend oder missbräuchlich wirkt, sondern professionell, reflektiert und ethisch legitimiert eingesetzt wird.

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Grundlage des Vortrags sind Ergebnisse der Promotionsforschung „Berufsspezifische Erwartungen von Mitarbeitenden an ihre Führungskräfte“. Die Forschungsarbeit untersuchte in drei Studienteilen, welche Erwartungen Mitarbeitende unterschiedlicher Berufsbereiche an Führung stellen und welche Rolle Hierarchie sowie Autonomie dabei spielen. Dabei zeigte sich deutlich, dass Führungserwartungen nicht universell sind, sondern stark vom beruflichen Kontext geprägt werden.

Im Zentrum des Vortrags steht insbesondere der Gesundheitsbereich, dessen heterogene Mitarbeiterschaft sowohl gemeinsame als auch divergierende Erwartungen an Führung formuliert. Viele Befragte beschrieben, wie bedeutsam bereits kleine Formen ehrlicher Anerkennung im belastenden Berufsalltag sein können. Während Aspekte wie Wertschätzung, Gerechtigkeit und Teamzusammenhalt berufsübergreifend hohe Zustimmung erfahren, unterscheiden sich die Erwartungen hinsichtlich Partizipation, Autonomie und dem Wunsch nach klarer Führung deutlich.

Die Studie zeigt zugleich, dass der Gesundheitsbereich durch eine besondere Spannung geprägt ist: Einerseits bestehen weiterhin ausgeprägte Hierarchien, andererseits steigen die Anforderungen an eigenverantwortliches und kompetentes Handeln kontinuierlich an. Gerade Pflegefachpersonen müssen heute komplexe Entscheidungen treffen, interprofessionell kommunizieren und Verantwortung übernehmen. Klassische Kontroll- und Anweisungsstrukturen geraten dadurch zunehmend an ihre Grenzen.

Besonders auffällig war, dass Mitarbeitende im Gesundheitsbereich signifikant stärker als andere Berufsgruppen erwarteten, dass Führungskräfte Fehler konsequent verfolgen und sich aktiv um Probleme und Beschwerden kümmern. Gleichzeitig zeigte sich jedoch in den qualitativen Interviews, dass vielerorts noch keine offene und konstruktive Fehlerkultur etabliert ist. Im Vergleich zu anderen Berufsbereichen wurden weitere deutliche Unterschiede sichtbar. Beschäftigte aus wissenschaftlichen Tätigkeitsfeldern beschrieben beispielsweise sehr flache Hierarchien, hohe Autonomie und einen starken Wunsch bei Entscheidungen beteiligt zu werden.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass „one size fits all“-Führungsmodelle nicht greifen. Führung muss berufsspezifisch verstanden werden. Während in manchen Bereichen ein hohes Maß an Eigensteuerung selbstverständlich ist, wünschen sich Beschäftigte im Gesundheitswesen neben Beteiligung auch Orientierung, Verlässlichkeit und klare Entscheidungen.

Der Vortrag verdeutlicht darüber hinaus die Relevanz transformationaler und ethikorientierter Führung. Transformationale Führung fördert Motivation, Sinnorientierung und Entwicklung, birgt jedoch ohne ethische Reflexion auch Risiken der Machtkonzentration und emotionalen Abhängigkeit. Ethikorientierte Führung erweitert diesen Ansatz um Fairness, Integrität, Machtteilung und Menschenorientierung. Gerade im Gesundheitswesen erscheint diese Verbindung zentral, da hier nicht nur wirtschaftliche Ziele, sondern immer auch Menschenwürde, Verantwortung und professionelle Beziehungsgestaltung im Mittelpunkt stehen.

Für die Praxis ergeben sich daraus konkrete Konsequenzen: Führungskräfte im Gesundheitswesen benötigen neben organisatorischen Kompetenzen insbesondere kommunikative, psychologische und ethische Fähigkeiten. Führungstrainings sollten stärker Themen wie Wertschätzung, Konfliktbearbeitung, Teamzusammenhalt, Machtreflexion und positive Fehlerkultur integrieren.

Die zentrale Botschaft des Vortrags lautet daher: Vertrauen entsteht nicht durch den Verzicht auf Führung, sondern durch verantwortungsvolle Führung mit Haltung. Gute Führung bedeutet hier nicht Machtverzicht, sondern reflektierten Machtgebrauch.

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Zur Person

Dr. Eva Ortmann-Welp

promovierte an der Universität Regensburg im Fach Psychologie. Hierbei untersuchte sie berufsspezifische Erwartungen von Mitarbeitenden an ihre Führungskräfte. Nach einer pflegeberuflichen Ausbildung und mehrjähriger klinischer Tätigkeit war sie in verschiedenen Funktionen der Aus-, Fort- und Weiterbildung tätig, darunter als Lehrkraft und in leitenden Positionen. Sie absolvierte Studiengänge in Bildungswissenschaft sowie in Bildung und Medien eEducation sowie ein zweites Masterstudium in Schulmanagement und Qualitätsentwicklung.  Neben der Thematik Leadership bildet digitale Bildung einen weiteren Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Publikations- und Vortragstätigkeit. Seit 2019 leitet sie die Fort- und Weiterbildung an der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) in Gütersloh und ist zudem als Lehrbeauftragte an der Hamburger Fern-Hochschule tätig.

 

 

Ortmann-Welp, E.
(2026, June 25).
Macht mit Haltung - Führung berufsspezifisch und ethikorientiert gestalten
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/macht-mit-haltung-fuehrung-berufsspezifisch-und-ethikorientiert-gestalten

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