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Maryam Khalilifard
Mit APN-Kompetenz gegen Sepsis
Von der Masterthesis zur praktischen Umsetzung auf der Intensivstation

Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektionserkrankung und geht mit einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion infolge einer dysregulierten Immunantwort einher. Weltweit zählt sie zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Eine frühzeitige Diagnose und sofortige Behandlung sind entscheidend, um schwere Verläufe, septischen Schock und Multiorganversagen zu verhindern. Pflegefachpersonen nehmen dabei aufgrund ihrer kontinuierlichen Patient:innennähe eine zentrale Rolle in der Früherkennung, Überwachung und Versorgung von Patient:innen mit Sepsis ein.

Auf dieser Grundlage beschäftigt sich meine Masterthesis mit der Entwicklung einer Advanced-Practice-Nursing-Rolle im Akutkrankenhaussetting. Ziel der Arbeit war es, aufzuzeigen, welche spezifischen Aufgaben und Tätigkeiten Pflegeexpert:innen APN in der Versorgung von Patient:innen mit Sepsis übernehmen können und welche förderlichen beziehungsweise hinderlichen Faktoren für die Implementierung dieser Rolle in der Literatur beschrieben werden.

Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche mit qualitativer Metasynthese. Nach definierten Ein- und Ausschlusskriterien wurden vier qualitative Studien aus England, Neuseeland, Australien und Norwegen eingeschlossen. Aus der Analyse konnten fünf zentrale Erkenntnisse abgeleitet werden: Früherkennung und Anwendung standardisierter Protokolle, Kommunikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit, Schulung und Wissensvermittlung, organisatorische Herausforderungen und strukturelle Barrieren sowie personzentrierte Pflege und Ungleichheiten in der Versorgung.

Diese Zentralerkenntnisse lassen sich als mögliche Aufgabenfelder von Pflegeexpert:innen APN einordnen. Unter Bezugnahme auf die Kompetenzen und die Expertise einer Advanced Practice Nurse nach Hamric und Tracy kann abgeleitet werden, dass Pflegeexpert:innen APN eine zentrale Rolle in der frühzeitigen Erkennung klinischer Verschlechterungen, der Umsetzung evidenzbasierter Standards, der Förderung interprofessioneller Kommunikation sowie der Wissensvermittlung im Behandlungsteam übernehmen können. Darüber hinaus können sie zur Identifikation und Bearbeitung organisatorischer Barrieren beitragen und eine personzentrierte sowie gerechte Versorgung vulnerabler Patient:innen fördern.

Aus den Ergebnissen meiner Masterthesis ergab sich ein direkter Bezug zu meinem ersten Praxisjahr als Pflegeexpertin APN auf einer operativen Intensivstation eines Maximalversorgers. Mein Schwerpunkt lag auf der Implementierung von Maßnahmenbündeln zur Prävention zentralvenöser Katheter-assoziierter Blutstrominfektionen, sogenannten CABSI. Diese zählen zu den relevanten nosokomialen Infektionen in der Intensivmedizin und können einen schweren Einfluss auf Patient:innensicherheit, Morbidität und Mortalität haben.

Die Bedeutung strukturierter Präventionsmaßnahmen wird auch in der aktuellen Studienlage deutlich. Hagel et al. (2019) konnten in einer prospektiven Follow-up-Studie an einem deutschen Universitätsklinikum zeigen, dass durch strukturierte Präventionsmaßnahmen das adjustierte relative Risiko für schwere Sepsis, septischen Schock und infektionsbedingte Mortalität auf Intensivstationen um 87 Prozent reduziert werden konnte. Gleichzeitig stellt das multimodale Präventionsprogramm von ZVK-assoziierten Infektionen zur Prävention von Sepsis im Krankenhaus den einzigen präventiven Qualitätsindikator im Qualitätssicherungsverfahren Sepsis des IQTIG dar.

Vor diesem Hintergrund wurden evidenzbasierte Maßnahmen zur Optimierung des ZVK-Managements entwickelt und in die klinische Praxis implementiert. Die Umsetzung erfolgte in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst standen die Analyse bestehender Prozesse sowie die Entwicklung und Erprobung aktueller Methoden zur ZVK-Versorgung und zum Device-Management im Fokus. Dabei wurden evidenzbasierte Maßnahmen in die Versorgungspraxis integriert. Dazu gehörten unter anderem Standards zur hygienischen Handhabung zentralvenöser Katheter, zur Vorbereitung und Applikation von Medikamenten und Infusionen, Empfehlungen zum ZVK-Verbandwechsel sowie praxisorientierte „Do’s and Don’ts“ im Umgang mit invasiven Zugängen.

Darauf aufbauend erfolgte die praktische Schulung der Mitarbeitenden direkt im Versorgungsalltag. Diese umfassten Demonstrationen, kollegiale Befähigung, Bedside-Teaching sowie Mikroschulungen. Ziel war es, die Handlungssicherheit im Umgang mit zentralvenösen Kathetern zu stärken und hygienische Standards nachhaltig im klinischen Alltag zu etablieren. Ergänzend wurden Schulungsmaterialien, darunter ein Schulungsvideo, sowie Theorie- und Fortbildungseinheiten entwickelt und durchgeführt. Parallel dazu entstand die QM-Verfahrensanweisung „ZVK – High Care“ als verbindlicher Standard zur sicheren und hygienischen Handhabung zentralvenöser Katheter. Dadurch konnte aktuelles Wissen zum ZVK-Management, zur Infektionsprävention und zu hygienischen Anforderungen
standardisiert, evidenzbasiert und praxisnah vermittelt werden. Ein weiterer zentraler Bestandteil des APN-Konzepts war das kontinuierliche Monitoring der CABSI-Fälle auf Grundlage der Hygienedaten. Dadurch konnten potenzielle Risiken frühzeitig erkannt, Maßnahmen evaluiert und die Qualität der Versorgung fortlaufend weiterentwickelt werden.

Zusammenfassend zeigt sich, dass Pflegeexpert:innen APN durch klinische Expertise, evidenzbasierte Praxisentwicklung, Schulung, interprofessionelle Zusammenarbeit und kontinuierliches Qualitätsmonitoring einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Sepsisversorgung leisten können. Die konsequente Umsetzung eines solchen APN-Konzepts kann dazu beitragen, die Patient:innensicherheit zu erhöhen, Versorgungsqualität nachhaltig zu sichern und bessere klinische Outcomes zu fördern.

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Zur Person

Maryam Khalilifard
Fachpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie
M.Sc. Advanced Practice Nursing

Khalilifard , M.
(2026, August 10).
Mit APN-Kompetenz gegen Sepsis
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/mit-apn-kompetenz-gegen-sepsis

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