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Ingrid Burger, MAS, Bereichsleitung Pflege - Rheumatologie, Klinik Hietzing / Rheumatologie, Klinik Hietzing
Rheuma verstehen – Zukunft gestalten

Rheuma Nurses der Klinik Hietzing begleiten Patient*innen mit rheumatischen Erkrankungen durch Beratung, Schulung und kontinuierliche Unterstützung. Das Modell stärkt Wissen, Sicherheit und Selbstkompetenz und setzt neue Maßstäbe in der rheumatologischen Versorgung.

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„Rheuma verstehen – Zukunft gestalten“

Interview mit Ingrid Burger, MAS, Bereichsleitung Pflege, 2. Medizinische Abteilung – Innere Medizin mit Rheumatologie, Klinik Hietzing.

Rheumatische Erkrankungen zählen zu den häufigsten chronischen Leiden in Österreich: Fast ein Viertel der Bevölkerung ist betroffen, bei über 55-Jährigen sogar rund 40 Prozent. Trotz dieser hohen Prävalenz dauert es für viele Betroffene oft Jahre, bis sie erstmals eine konkrete Diagnose erhalten. In der Klinik Hietzing des Wiener Gesundheitsverbundes wurde daher vor einem Jahr ein innovatives Modell eingeführt: Speziell ausgebildete Rheuma Nurses begleiten Patient*innen umfassend durch den gesamten Verlauf der Erkrankung, beraten, schulen und stärken sie im Umgang mit ihrer neuen Lebenssituation. Mit dem Modell der Rheuma Nurses geht die Klinik Hietzing neue Wege in der Betreuung von Betroffenen und setzt ein zukunftsweisendes Zeichen für eine patient*innenorientierte Versorgung in Österreich. Pflegenetz hat mit Ingrid Burger, MAS, Bereichsleitung Pflege der Rheumatologie, über diese neue Rolle gesprochen – und über die Chancen, die sie für Patient*innen eröffnet.

Interview

Frau Burger, Sie leiten die Pflege an der Rheumatologie der Klinik Hietzing. Wie sieht die Arbeit einer Rheuma Nurse aus?

Die Rheuma Nurse ist eine zentrale Ansprechperson für Patient*innen mit rheumatischen Erkrankungen. Wir begleiten sie durch die unterschiedlichen Phasen der Behandlung, nehmen uns Zeit für Gespräche, erklären Zusammenhänge und beantworten Fragen rund um die Erkrankung und die Therapie. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Schulung im Umgang mit Medikamenten sowie die Unterstützung dabei, die eigene Erkrankung besser zu verstehen.

Unser Ziel ist es, Patient*innen zu befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Behandlung aktiv mitzugestalten.

Was war die Motivation, das Modell der „Rheuma Nurse“-Sprechstunden einzuführen?

Die Motivation zur Einführung der „Rheuma-Nurse“-Sprechstunden entstand aus der besonderen Natur rheumatischer Erkrankungen. Rheuma ist meist eine komplexe, chronische und lebenslange Erkrankung, die Patient*innen nicht nur medizinisch, sondern auch emotional und im Alltag stark fordert.

Unser Ziel war es, eine konstante, gut erreichbare Anlaufstelle zu schaffen, die ausreichend Zeit für Gespräche, Schulung und individuelle Begleitung bietet. Die Rheuma Nurse kann Ängste abbauen, den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und Patient*innen dabei unterstützen, ihre Therapie besser zu verstehen und langfristig einzuhalten.

Gleichzeitig ermöglicht dieses Modell eine engere Betreuung zwischen den ärztlichen Kontrollen, stabilisiert Therapieziele und stärkt die Eigenkompetenz der Patient*innen. Damit verbessern wir nicht nur die Versorgungsqualität, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen.

Welche Themen beschäftigen Patient*innen besonders nach der Diagnose?

Viele sind zunächst verunsichert und fragen sich: Was bedeutet das jetzt für mein Leben?  Die Themen reichen von Schmerzen und Alltagsbewältigung über Arbeitsfähigkeit und Familienleben bis hin zu möglichen Nebenwirkungen der Therapie. Wir nehmen uns Zeit, erklären verständlich und helfen, Schritt für Schritt Struktur und Sicherheit zu gewinnen. Wir unterstützen sie, sich zu orientieren und zeigen, dass sie auch selbst etwas zu ihrer Gesundheit beitragen können. Das motiviert enorm.

Sie begleiten viele Menschen über einen längeren Zeitraum. Welche Veränderungen sehen Sie im Verlauf?

Zu Beginn sind manche Patient*innen passiv oder ängstlich. Mit der Zeit sehen wir jedoch, wie Menschen sicherer werden, Verantwortung übernehmen und aktiv mitarbeiten. Durch die kontinuierliche Begleitung wächst das Wissen, das Vertrauen – und damit auch die Lebensqualität.

Wie helfen Sie Patient*innen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen?

Indem wir sie befähigen, ihre Erkrankung zu verstehen und selbst mitzudenken. Wir motivieren, beobachten gemeinsam Symptome und besprechen, was im Alltag unterstützend wirkt. So entsteht Selbstwirksamkeit – ein ganz zentraler Teil unseres Pflegeverständnisses.

Welche Rolle spielen Themen wie Ernährung, Bewegung oder psychische Gesundheit in Ihren Beratungen?

Diese Themen haben einen hohen Stellenwert und sind ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Betreuung. Bewegung, Ernährung, seelisches Wohlbefinden sowie der Umgang mit der Erkrankung beeinflussen den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität maßgeblich. In den Beratungen liegt der Schwerpunkt darauf, Patient*innen zu informieren, Orientierung zu geben und offene Fragen zu klären. Ziel ist es, das Verständnis für die Erkrankung zu fördern und Patient*innen im Rahmen der pflegerischen Beratung zu stärken.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit: Je nach Bedarf werden weitere Fachbereiche eingebunden, um eine umfassende und gut abgestimmte Betreuung zu ermöglichen. So entsteht ein vernetztes Versorgungskonzept, das über die reine medizinische Behandlung hinausgeht und den Menschen in seiner Gesamtheit in den Mittelpunkt stellt.

Was unterscheidet das Pflegeverständnis einer Rheuma Nurse von klassischer Krankenpflege?

Wir arbeiten stark beratungs- und edukationsorientiert. Der Fokus liegt weniger auf Akutpflege, sondern auf Begleitung, Schulung und Koordination im Langzeitverlauf. Unser Ziel ist Empowerment – also Patient*innen zu befähigen, ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten, immer in enger Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Team.

Zum Abschluss, Frau Burger: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Rheumatologiepflege?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin Zeit, Raum und Ressourcen haben, um Patient*innen ganzheitlich begleiten zu können. Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigen: Wenn Menschen verstehen, was in ihrem Körper passiert, und wissen, dass jemand an ihrer Seite ist, stärkt das enorm. Genau diese Sicherheit wollen wir auch künftig geben.

Rheuma betrifft alle Altersgruppen

Der Wiener Gesundheitsverbund betreut Patient*innen aller Altersgruppen:

  • Die Klinik Ottakring bietet eine spezialisierte Transitionsambulanz für junge Erwachsene ab 14 Jahren.
  • Die Klinik Donaustadt verfügt über eine eigene Ambulanz für Kinder mit rheumatischen Erkrankungen.
  • Die Klinik Floridsdorf arbeitet eng mit dem Herz-Jesu Krankenhaus zusammen, um bei rheumatischen Lungenbeteiligungen bestmögliche Versorgung sicherzustellen.

Podcast-Tipp: Klinikkosmos zum Thema Rheuma

Rheumatologe Kurt Redlich aus der Klinik Hietzing spricht im Klinikkosmos, dem Podcast des Wiener Gesundheitsverbundes, mit einer Betroffenen über die Vielfalt der Rheuma-Erkrankungen und warum frühe Diagnosen so wichtig sind. Seit 09.10.2025 überall, wo es Podcasts gibt.

Service-Links:

 

 

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Zur Person

Ingrid Burger, MAS, Bereichsleitung Pflege – Rheumatologie, Klinik Hietzing / Wiener Gesundheitsverbund

(2026, February 23).
Rheuma verstehen – Zukunft gestalten
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/rheuma-verstehen-zukunft-gestalten

unser infoservice

Wir informieren Sie sehr gern über zukünftige Neuerscheinungen und interessante Artikel. 

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