Anzeige
Hans Robert Hansen
Sozial-, Service- und Assistenzroboter für die Pflege

Roboter sind programmierbare Geräte verschiedenster Gestalt, die ferngesteuert oder selbstständig mittels Sensoren, Aktoren und auf maschinellem Lernen basierender Steuerungstechnik in Interaktion mit der Umwelt menschliche Arbeit übernehmen. Ursprünglich kamen Roboter hauptsächlich ortsfest in der Industrie zum Einsatz, wo sie mit hoher Präzision und Geschwindigkeit Routineaufgaben wie Schweißen, Lackieren, Montieren von Teilen, Produktionssteuerung, Materialhandhabung und Qualitätssicherung von Werkstücken übernehmen. Inzwischen werden Roboter in einer Vielzahl von Bereichen für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt. In der Pflege dominieren mobile Roboter. Ihr Einsatz befindet sich noch in einem Frühstadium.

Anzeige

Abb. 1: Klassifikation von Robotern in der Pflege (Bild „Sophia“ von Hanson Robotics)

Sozialroboter

Sozialroboter sind autonome, mobile Roboter mit dem Zweck, mit Menschen zu interagieren, zu kommunizieren, zu unterhalten und Menschen durch Präsenz, aktives Zuhören, Empathie und Verständnis emotional zu unterstützen. Sozialroboter gibt es in tierischer und menschenähnlicher Gestalt. Sozialroboter in tierischer Gestalt sind fortgeschrittene Kuscheltiere, die durch eine Reihe von integrierten Sensoren sehen, hören, fühlen und mittels Prozessor und KI-Software durch Motoren ihr Verhalten (Bewegen, Sprechen, Singen, Lachen, Weinen, sonstige Laute) an mehrere Bezugspersonen anpassen können. Ein Beispiel ist die zirka 60 cm große Babyrobbe Paro, die zu therapeutischen Zwecken weltweit in einigen tausend, im deutschsprachigen Raum in über 100 Pflegeheimen und Krankenhäusern eingesetzt wird – vor allem für demenzkranke Patienten und Kinder (siehe https://robbeparo.de/product/). Weil eine solche „intelligente“ Robbe 8.000 € kostet und nur vorsichtig mit einem feuchten Tuch gesäubert werden kann (kein Untertauchen in Wasser und keine scharfen Reinigungsmittel), ist aus Kosten- und Hygienegründen die Verwendung beschränkt.

Ein „Kuscheltier im weiteren Sinne“ ist auch der Roboterhund Aibo, den man mit virtuellen Mahlzeiten füttern kann und der Haushund-typisches Verhalten imitiert. Sony hat Aibo im Mai 1999 eingeführt, die Produktion 2006 aus Kostengründen eingestellt (bis dahin wurde über 150.000 Stück verkauft) und 2017 die Produktion einer verbesserten Version wieder aufgenommen. Aktuell kann man ein Aibo-Exemplar, Modell ERS-1000, in fünf Farben für 3.199,99 US-$ (entspricht 2.744 €) bei Sony bestellen.

Solche lernenden Sozialroboter gibt es auch in humanoider, das heißt der menschlichen Gestalt nachempfundener Form. Das wohl bekannteste Beispiel ist der putzige Roboter Pepper, der 120 cm groß ist und etwa 28 kg wiegt. Pepper kann Gesichter und Emotionen erkennen und darauf reagieren. Er kann die Einsamkeit und Langeweile von Senioren und Behinderten durch einfache Gespräche, Witze erzählen, Vorlesen und gemeinsames Singen bekämpfen, das Gehirntraining und Sprachenlernen unterstützen, an das Zähneputzen und Termine erinnern, und damit die Lebensqualität erhöhen. Zum Tanzen und zur Gymnastik anregen kann er nur beschränkt, weil ihm die Beine fehlen. Er bewegt sich auf Rädern eigenständig in Innenräumen und kann durch Sensoren Hindernisse erkennen. Darüber hinaus kann Pepper mit vernetzten Geräten interagieren, um Aufgaben wie das Einschalten von Lichtern oder das Zubereiten von Kaffee zu steuern. Auf YouTube gibt es viele Videos über die Fähigkeiten von Pepper, darunter auch solche über die Erfahrungen in Pflegeheimen (zum Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=UMWkSQz3aOo). Eine Reduktion von Personalkosten bewirkt Pepper nicht, da beim Einsatz des „Entertainers“ meist eine Pflegeperson anwesend sein muss.

Peppers Produktion wurde 2021 wegen zu geringer Nachfrage und zu hoher Kosten vom Hersteller Softbank eingestellt. Der ursprüngliche französische Entwickler Aldebaran Robotics, der auch den Roboter Nao, die Standardplattform des RoboCup (Kurzform für: Robot Soccer World Cup) entwickelt hat, war in Konkurs gegangen. Die United Robotics Group aus Bochum hat das Unternehmen übernommen. Restbestände der Pepper-Roboter sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz bei PROBO Robotics erhältlich (PROBO Robotics, 2026). Pepper kostet mit einer Grundausstattung an Funktionen (Anwendungen) derzeit zirka 17.000 €, hinzu kommen Entwicklungskosten zur Anpassung an die jeweilige Bedingungslage.

Abb. 2: Roboterhund Aibo sowie die humanoiden Sozialroboter Pepper, Nao (Mitte links) und Navel (Mitte und rechts)

Eine neuere, ähnliche Entwicklung mit kindlichem Aussehen ist der Roboter Navel des Münchner Start-Ups Navel Robotics, der 2026 zunächst mit etwa 20 Geräten pro Monat in die Serienproduktion gehen soll. Navel ist 8,5 kg schwer, 75 cm groß und kostet 28.000 €. Gründer und CEO Claude Toussaint nennt als wichtigste Wettbewerber Lovot vom japanischen Start-up Groove X, ElliQ vom US-Start-up Intuition Robotics und Mirokai vom französischen Start-up Enchanted Tools (Dup Magazin, 2026).

Führende Hersteller auf dem Weltmarkt für humanoide Roboter sind PAL Robotik (Spanien), Figure AI (USA), Agility Robotics (USA), Honda (Japan), Toyota (Japan), Boston Dynamics (USA), Hanson Robotics (China), Sanctuary Cognitive Systems Corporation (Kanada), Nvidia Corporation (USA) und Tokyo Robotics (Japan). Die Roboter dieser Hersteller wurden meist für den Einsatz in der Industrie entwickelt. AGIBOT Robotics (China) und Tesla (USA) dürften bald zu diesem Kreis hinzukommen. Die Markteinführung des Tesla Bot („Optimus“) ist 2026 zu einem Preis von 20.000 – 30.000 US-$ geplant. Laut Fortune wird der weltweite Umsatz auf dem humanoiden Robotermarkt im Jahr 2023 auf 2,43 Milliarden US-$ und im Jahr 2024 auf 66,0 Mrd. US-$ geschätzt. Der asiatisch-pazifische Raum dominiert mit einem Marktanteil von 41,97 % im Jahr 2023 (Fortune Business Insights, 2026).

Die menschenähnlichsten KI-basierten Roboter produziert das ursprünglich in Texas gegründete und heute in Hongkong residierende Unternehmen Hanson Robotics. Es ist vor allem durch den 2016 vorgestellten Roboter Sophia bekanntgeworden, der in vielen Ländern auf Tagungen, in TV-Shows und YouTube-Videos aufgetreten ist (Hanson Robotics, 2026). Sophia kann Gesichter und Emotionen erkennen und analysieren, menschliche Gestik und Mimik nachahmen, bestimmte Fragen beantworten und über vordefinierte Themen Gespräche führen. Sie dient als Forschungsplattform und als Botschafterin, um die Entwicklung und die öffentliche Wahrnehmung von Robotik und KI zu fördern. Saudi-Arabien hat ihr die Staatsbürgerschaft verliehen. 2019 wurde „Little Sophia“ als Begleiterin vorgestellt, die Kindern das Programmieren beibringen kann. Mit einem patentierten Nanotech-Material namens Frubber werden Robotergesichter erzeugt, die der natürlichen menschlichen Muskulatur und Haut nahegekommen.

Abb. 3: Roboterfiguren von Hanson Robotics, Sophia ist links oben dargestellt (Hanson Robotics, 2026)

Ein Video über die Gestaltungsmöglichkeiten und Fähigkeiten der Top 20 humanoider Roboter im Jahr 2025 ist abrufbar unter: (YouTube, 2025)

Serviceroboter

Serviceroboter für die Produktion, die Lagerhaltung, den Transport, die Reinigung und Desinfektion gibt es schon seit Jahrzehnten im gewerblichen Bereich. Die Elektro- und Elektronikindustrie ist die Nummer eins bei der Nutzung von Servicerobotern. Es folgen die Automobilhersteller, die Zehntausende von Robotern für den Karosseriebau und die Montage von Fahrzeugen einsetzen. Auch die Logistikzentren im Versandhandel sind hochautomatisiert. Allein bei Amazon sind über eine Million Roboter neun verschiedener Typen mit spezifischen Aufgaben im Einsatz, die in einem roboterkoordinierten Gesamtsystem zusammenarbeiten. Führende Länder beim Einsatz von Servicerobotern sind Südkorea, Deutschland, Japan, China, Schweden, Schweiz und die USA. Seit einigen Jahren kommen einzelne Serviceroboter (Staubsauger- und Wischroboter, Rasenmähroboter) auch in Privathaushalten zum Einsatz. Im Entwicklungsstadium befindliche Haushaltsroboter zum Kochen, Geschirrspülen, Waschen und Bügeln gehören ebenfalls in diese Kategorie.

Ein früher Prototyp eines mobilen Serviceroboters, der u.a. für den Pflegebereich konzipiert wurde, war der 158 cm große, 140 kg wiegende Roboter Care-O-bot 4 des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. „Auf Basis seines modularen Systemkonzepts ist Care-O-bot 4 vielseitig einsetzbar. Der Roboter kann mit einem, mit zwei oder auch ohne Arme ausgestattet werden. Die patentierten Kugelgelenke in Torso und Kopf sind optional, je nach erforderlicher Beweglichkeit. Geht es um das Servieren von Getränken, könnte man auch eine Hand durch ein Tablett ersetzen. Es ist sogar möglich, nur die mobile Basis als Servierwagen zu nutzen. Je nach Konfiguration lässt sich eine individuelle Roboterplattform für unterschiedlichste Anwendungen aufbauen: Als mobiler Informationskiosk im Museum, Baumarkt oder Flughafen, für Hol- und Bringedienste in Heimen oder Büros, für Sicherheitsanwendungen oder als Museumsroboter zur Attraktion – stets ist der Care-O-bot 4 ein sicherer und nützlicher Helfer des Menschen. Soziale Umgangsformen, das haben Untersuchungen gezeigt, sind unabdingbar für die Akzeptanz interaktiver Serviceroboter. Wie schon beim Vorgänger wurden deshalb im Entwicklungsprozess soziale Rollenbilder als Leitvision für die Entwicklung von Design und Funktionalität verwendet. Care-O-bot 4 ist in der Lage, je nach Situation mehrere Stimmungen über sein im Kopf integriertes Display anzuzeigen. Während das Vorgängermodell als zurückhaltender, eher distanzierter Butler konzipiert war, ist sein Nachfolger so zuvorkommend, freundlich und sympathisch wie ein Gentleman.“ (Fraunhofer IPA, 2026).

Offenbar haben sich die Erwartungen an den Care-O-bot 4 wie bei vielen anderen Prototypentwicklungen von Robotern nicht erfüllt. Der Roboter wurde lediglich im Rahmen von Forschungsprojekten für kurze Zeit in der einen oder anderen Einrichtung getestet. Ein Spin-off des Fraunhofer IPA hatte 2016 einige der Roboter (ohne Arme) in Saturn-Märkten zur Personenführung (Einkaufsassistenten) eingesetzt. Inzwischen wird der Roboter jedoch nicht weiter produziert und verkauft, da das Fraunhofer IPA seine strategische Ausrichtung geändert hat. Mittlerweile gibt es diverse marktreife Roboter mit ähnlichen Fähigkeiten, so dass sich die Forschungsschwerpunkte des Fraunhofer IPA in letzter Zeit von der Hardware- auf die Software- bzw. Anwendungsentwicklung verschoben haben.

Im Februar 2025 hat das Fraunhofer-Institut IPA eine Studie vorgestellt, in der technologische, ökonomische, rechtliche, politische und soziale Fragestellungen des Einsatzes humanoider Roboter analysiert werden. Die Studie bezieht sich auf die Industrie, die Ergebnisse dürften aber auch weitgehend für die meisten anderen Anwendungsbereiche wie zum Beispiel die Pflege zutreffen. „Befürworter Humanoider Roboter argumentieren: Nur ein Allzweck-Roboter, der viele Aufgaben erledigen kann, rechtfertigt die hohen Kosten in Entwicklung und Anschaffung. Unsere Umwelt ist für den menschlichen Körper optimiert bzw. daran angepasst. Hieraus folgt, dass ein Allzweck-Roboter dem menschlichen Körper und seinen Bewegungen angelehnt sein muss. Kritiker halten dagegen, dass ein Humanoider Roboter in absehbarer Zukunft nicht die Performance eines Menschen erreichen wird. Weiterhin verweisen sie auf »Form follows Function«: Für bestimmte Aufgaben ist der menschliche Körper denkbar ungeeignet. Dies entspricht oftmals den Aufgaben, für die der Einsatz von Robotern erwünscht ist.“ (Fraunhofer IPA, 2025).

Abb. 4: Roboter Care-O-bot 4 von Fraunhofer IPA (links), MiPa (Mitte) und 4NE1 von Neura Robotics (Neura Robotics, 2026)

Das 2019 gegründete Start-Up Neura Robotics aus dem schwäbischen Metzingen hat im Juni 2025 mit MiPa und mit dem Schwestermodell 4NE1 die ersten Roboter für den Heimgebrauch im Markt eingeführt. Die Neuraverse-Plattform verbindet weltweit Tausende von Entwicklern, Partnern und Robotikexperten mit ihren KI-Modellen, Anwendungen und Daten. MiPa ist primär ein Transportgefährt, das durch Zubehörteile Unterstützung zum Tragen, Servieren, Begleiten oder zur Interaktion bietet. Der universell einsetzbare humanoide Roboter 4NE1 ist 1,80 Meter groß, er wiegt 80 kg und kann Nutzlasten von 10 bis 100 kg tragen. Er soll auch Waschen, Bügeln, Kochen und den Geschirrspüler bedienen können.

Kurz danach haben Neura Robotics und der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk eine strategische Partnerschaft bekanntgegeben, um die Robotik-Kompetenz von Neura mit den vernetzten Vorwerk-Systemen Thermomix TM7, Cookidoo und Kobold zu verbinden. Wann bzw. ob jemals diese hochgesteckten Erwartungen erfüllt werden können, steht m.E. in den Sternen. Weitere strategische Partnerschaften hat Neura Robotics 2026 mit dem Automobilzulieferer und Elektrogerätehersteller Robert Bosch GmbH, dem international führenden Berater für Bauwesen und Infrastruktur Drees & Sommer, dem Handhabungstechnik- und Roboterwerkzeugspezialisten Zimmer Systems, dem Business-Softwarehersteller SAP und dem KI-Chiphersteller Nvidia sowie mit dem Prozessorhersteller Qualcomm Technologies, Inc. vereinbart (Neura Robotics, 2026). Heute hat Neura Robotics 1.200 Mitarbeiter/innen in acht Niederlassungen weltweit. Es wird sich herausstellen, ob sich das Unternehmen mit der 2025 begonnenen Erschließung des Haushaltsmarkts und der Globalisierung nicht übernommen hat.

Der erste in Massenfertigung hergestellte humanoide Serviceroboter ist nach Angaben der Shanghaier Firma AGIBOT Robotics der AgiBot A2, von dem bis Ende 2025 über 5.000 Stück hergestellt worden sind. Er ist 169 cm groß, wiegt 69 kg und die Batterielaufzeit beträgt zwei Stunden. Bei Alibaba ist der Roboter derzeit ab 65.999 US-$ bei Großbestellungen erhältlich. Andere Händler verlangen bis zu über 100.000 US-$ für fortgeschrittene Modelle. Analysten erwarten bei der Steigerung des kommerziellen Einsatzes Preise von 30.000 – 50.000 US-$. Damit wäre der Agibot A2 eine bedeutsame Konkurrenz zu Mitbewerbern wie Figure 3 oder Tesla Optimus.

Der US-amerikanische Roboterhersteller Figure AI, dessen humanoides Modell Figure 02 zum Beispiel bei BMW in der Fertigung getestet wurde, hat nach Eigenangaben 2005 ebenfalls die Massenproduktion von humanoiden Robotern in einer neu errichteten Fabrik in San Jose, Kalifornien, aufgenommen. Dort sollen jährlich bis zu 12.000 Exemplare des im Oktober 2025 eingeführten, neu konstruierten Allroundmodells F 03 hergestellt werden. F 03 ist also als gleichermaßen als Haushalts-, Pflege- und Industrieroboter vorgesehen. Der kabellos ladbare Roboter mit einer Laufzeit von fünf Stunden ist 173 cm groß, wiegt 61 kg, er kann 20 kg tragen und sich mit 1,2 m/s fortbewegen. Der Preis soll im Bereich von 20.000 – 30.000 US-$ liegen.

Abb. 5: Figure F 03-Roboter bei der Hausarbeit (Figure AI, 2026)

Nach erfolgreichen Tests mit dem Figure F 02-Roboter im US-Werk Spartanburg setzt BMW seit März 2026 AEON-Roboter von Hexagon Robotics (Zürich) in der Serienfertigung im Werk Leipzig ein. Die in Partnerschaft mit Nvidia entwickelten 1,65 cm großen humanoiden Roboter wiegen 60 kg, können bis zu 15 kg tragen (8 kg im 24-Stunden-Dauerbetrieb), bewegen sich durch ein rollendes Fahrwerk schneller als ein Mensch (bis zu 2,4 m/s), sind KI-gesteuert und bieten 34 Bewegungsfreiheitsgrade (AEON Robotics, 2026).

Abb. 6: AEON-Roboter von Hexagon Robotics im BMW-Werk Leipzig (BMW Group, 2026)

Der chinesische Hersteller UBTECH Robotics mit Sitz in Shenzhen hat ebenfalls Ende 2025 die Massenproduktion von humanoiden Robotern (des Modells Walker S2) begonnen. Die Kunden stammen hauptsächlich aus der chinesischen Automobilindustrie (zum Beispiel BYD, Geely, Dongfeng) und dem Logistik-Bereich. 2026 soll die jährliche Produktion auf 5.000 Einheiten, ab 2027 auf 10.000 Einheiten gesteigert werden. Sowohl die AEON-Roboter von Hexagon Robotics als auch die Walker S2-Roboter von UBTECH Robotics wurden primär für industrielle Anwendungen entwickelt. So wie bei Figure AI ist jedoch ein späterer Haushaltseinsatz der universell konzipierten Roboter nicht ausgeschlossen.

Assistenzroboter

Assistierende Roboter helfen beim Monitoring der Wohnung, der Aufnahme von Vitaldaten, dem Heben und Umlagern von Patienten, der Mobilisierung sowie der Rehabilitation, und sie bieten Unterstützung bei der Pflegemittelverwaltung.

Beispiele für Assistenzroboter in der Pflege sind in Entwicklung befindliche sprachgesteuerte Roboterhunde für sehbehinderte Menschen, die mit Sensoren (Kameras, Ultraschall und Fußsensoren) die Umgebung scannen, Hindernisse erkennen und Ampeln identifizieren können. Projekte sind der Blindenhund Hilfy der TU Braunschweig und Robbie der Universität Glasgow. Ziel ist es, eine erschwinglichere, pflegeleichtere Alternative zu echten Blindenhunden schaffen.

Autonome elektrische Rollstühle mit Bilderkennung, Selbstpositionssensoren, hinderniserkennenden Sicherheitssensoren und Bremsen, die es Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich automatisch und sicher zu einem über Touchscreen oder Handy angegebenen Ziel bringen zu lassen, sind in Flughäfen für den Transport zu den Gates im Einsatz. Manche können sich mit sensorbestückten Gepäckwagen verbinden, die dem Rollstuhl automatisch folgen. Nach dem Ausstieg des Fahrgastes und dem Abladen seines Gepäcks am Zielort fährt der autonome Rollstuhl automatisch den nächsten Kunden oder die nächste Abstellanlage für Rollstühle an. In naher Zukunft sollen die Passagiere auch Zwischenstopps an festgelegten Orten wie Toiletten, Geschäften und Restaurants einlegen können. Hersteller sind zum Beispiel Panasonic und WHILL. Das AIT Austrian Institute of Technology hat gemeinsam mit Klaxon Mobility ebenfalls eine autonome Rollstuhllösung entwickelt. Solche selbstfahrenden Rollstühle werden auch in Krankenhäusern getestet.

Panasonic hat weitere Robotersysteme für die Pflege entwickelt, darunter

• ein Pflegebett, das den Patienten beim Aufstehen hilft, indem es sich auf Knopfdruck in einen Rollstuhl verwandelt (Robotic Care Bed) und

• eine Gehhilfe, um die Gehfähigkeit von Patienten zu verbessern, zu stärken oder etwa nach einem Schlaganfall wieder herzustellen (Walk Training Robot).

Hebe- und Aufstehhilfen unterstützen Pflegekräfte bei körperlich belastenden Tätigkeiten, wie dem Heben von Patienten oder dem Umlagern im Bett, dem Transfer aus dem Bett in den Rollstuhl oder zur Toilette. Es gibt stationäre und mobile Lifter sowie an der Decke montierte Lifter-Systeme, die den Transfer mit einem Fahrantrieb ohne fremde Hilfe ermöglichen. Einfache Lifter sind in jedem Sanitätshaus für einige hundert Euro erhältlich. Fortgeschrittene mobile Systeme integrieren einen Roboter, der den Patiententransfer und die Rehabilitation unterstützt. Ein Beispiel ist der Patientenlifter von Ortek, der die Funktionen eines automatisch gesteuerten Tragestuhls, einer Hebevorrichtung für Personen und eines Gehtrainingsroboters kombiniert (Preis 9.721,80 €). Der PTR Robot von PTR Robotics (einer Tochter der dänischen Blue Ocean Robotics) ist eine in Höhe und Breite anpassbare mobile Hebevorrichtung, die über das Bett oder den Rollstuhl zum Heben und Transfer gestellt werden kann und die durch spezielle aufgehängte Komponenten für die frühe Mobilisierung und Rehabilitation eingesetzt werden kann. Der Preis beträgt über 100.00 €. Weitere Key Player im Patiententransfer-Robotermarkt sind Medik Medical, Hairong Technology, Time Medical und NuboMed.

Abb. 6: Autonome elektrische Rollstühle von WHILL am Flughafen Schiphol, Patientenlifter von PTR Robotics und Exoskelett HAL von Cyberdyne

Ein fortgeschrittenes Beispiel für Exoskelette ist der durch die schwachen Muskelaktivitäten und Nervenreize von Gelähmten gesteuerte Roboteranzug HAL von Cyberdyne Care Robotics. „HAL steht für Hybrid Assistive Limb. Das System ist ein neuronal kontrollierter Cyborg, der für die Therapie von Patienten mit zerebralen Gefäßerkrankungen, Rückenmarksverletzungen, progressiven neuromuskulären Erkrankungen und anderen Gehirn-/neuromuskulären Erkrankungen genutzt wird. Der neuronal gesteuerte HAL Roboteranzug wird zur neuromuskulären Feedbacktherapie eingesetzt. Der Befehl einer Bewegungsausführung wird durch das Rückenmark vom Gehirn zum Muskel gesendet und führt dort zu einer Anspannung des Muskels, die die Bewegung auslöst. Bei Patienten mit neurologischen Gangstörungen ist die beschriebene Befehlskette teilweise gestört und eine eigenständige Bewegungsintention ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Die verbleibenden neuromuskulären Impulse des Patienten werden durch Sensoren aufgenommen und an das HAL-System übermittelt. Das System erkennt die Impulse und stellt dem Patienten die nötige Kraftunterstützung zur Verfügung, um die gewünschte Bewegung auszuführen.“ (Cyberdyne, 2026).

Ein batteriebetriebener HAL ML-05 mit zwei Beinen wiegt 14 kg und hat eine Betriebsdauer von ungefähr einer Stunde. Der Roboteranzug kann nur in einer medizinischen Einrichtung unter Anleitung einer medizinischen Fachkraft zur Therapie genutzt werden. Cyberdyne hat mehrere Anfragen zum Preis und der Verbreitung nicht beantwortet. Marketresearch.com nennt als Mietpreis in den USA für das zweibeinige Modell 1.061,03 bis 1.262,50 US-$ pro Monat. Dazu kommen noch 3.693,47 US-$ Installationskosten. Das ADELI Gesundheitszentrum in der Kurstadt Piešťany in der westlichen Slowakei verlangt zum Beispiel 5.978,00 Euro für zwei Wochen HAL-Therapie (zwei Stunden täglich plus Massage) mit Unterkunft und Verpflegung für den Patienten und eine Begleitperson. Der Markt für Exoskelette wird von Cyberdyne, Myomo und Ekso Bionics dominiert.

Resümee

Die vorstehenden Ausführungen haben gezeigt, dass die Zuordnung von Pflegerobotern zu den in Abb. 1 gezeigten Kategorien manchmal schwierig ist, da manche Modelle sowohl Sozial-, Service- als auch Assistenzfunktionen übernehmen. Viele Produkte befinden sich noch im Entwicklungs- oder Teststadium, manchmal wurde die Entwicklung auch eingestellt, was aus den Hersteller-Websites oft nicht hervorgeht. Die Produktbeschreibungen von Start-ups wirken meist überzeichnet, und es erscheint fraglich, ob diese Firmen und ihre Entwicklungen jemals auf dem Markt reüssieren werden. Ich habe zum Beispiel große Zweifel, ob die Haushaltsroboter von Neura Robotics und Figure AI, wie von den Herstellern versprochen, jemals über die akzeptable Kompetenz (Software), Feinfühligkeit und Genauigkeit zum Waschen, Bügeln, Kochen und Geschirrspülen verfügen werden. Anfragen sind vielfach nur über Kontaktformulare möglich, Ersuchen um die Angabe von Preisen und Installationszahlen werden oft nicht beantwortet. Fortgeschrittene Pflegeroboter sind so teuer, dass sich nur Gesundheitseinrichtungen einzelne Exemplare für ihre Patientinnen und Patienten leisten können.

Pflegeroboter zur Übernahme der Kernfunktionen der Pflege – Ernährung, Körperpflege, ärztlich verordnete medizinische Behandlung, An- und Ausziehen, Windeln wechseln, Fürsorge und psychosoziale Betreuung – gibt es nicht und wird es meiner Meinung nach auch in absehbarer Zeit nicht geben. So sieht das auch der Deutsche Ethikrat, der sich in der lesenswerten Stellungnahme „Robotik für gute Pflege“ mit dem Stand der Entwicklung, dem Zukunftspotenzial und dem ethisch verantwortlichen Umgang mit Robotik in der Pflege auseinandergesetzt hat (Deutscher Ethikrat, 2018).

Von den vorstehend skizzierten Pflegerobotern käme derzeit für die häusliche Betreuung allenfalls ein Sozialroboter wie Pepper oder Navel zu Unterhaltungszwecken in Betracht. Solche „Gesellschafter“ sind jedoch so teuer, dass sie in Privathaushalten nur für Krösusse leistbar sind. Die Funktionen von Service- und Assistenzrobotern werden meist nicht benötigt, oder sie können durch die menschliche Betreuung durch Angehörige und 24-Stunden-Betreuungskräfte weitaus besser realisiert werden.

Diesen Artikel weiterempfehlen.

Literatur

Cyberdyne. (2026). HAL – Hybrid Assistive Limb: Treatment FAQ. https://www.cyberdyne.eu/treatment/faq/

Deutscher Ethikrat. (2018). Robotik für gute Pflege. https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-robotik-fuer-gute-pflege.pdf

Dup Magazin. (2026). Sozialer Roboter: Wie sich Navel in der Pflege bewährt. https://www.dup-magazin.de/technologie/sozialer-roboter-wie-sich-navel-in-der-pflege-bewaehrt

Fortune Business Insights. (2026). Markt für humanoide Roboter. https://www.fortunebusinessinsights.com/de/markt-f-r-humanoide-roboter-110188

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. (2025). Humanoide Roboter – Studie. https://www.ipa.fraunhofer.de/de/Publikationen/studien/humanoide-roboter.html

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. (2026). Care-O-bot 4. https://www.care-o-bot.de/de/care-o-bot-4.html

Hanson Robotics. (2026). Hanson Robots. https://www.hansonrobotics.com/hanson-robots/

Neura Robotics. (2026). Produkte und News. https://neura-robotics.com/de/produkte/4ne1/

Neura Robotics. (2026). News. https://neura-robotics.com/news/

Paro Therapeutic Robot. (2026). Produktseite Paro. https://robbeparo.de/product/

PROBO Robotics. (2026). Pepper Roboter. https://www.probo-robotics.at

YouTube. (2025). Top 20 humanoide Roboter. https://www.youtube.com/watch?v=W_tKQCzLnI4

YouTube. (2026). Pepper in Pflegeheimen. https://www.youtube.com/watch?v=UMWkSQz3aOo

BMW Group. (2026). Humanoide Roboter in der Produktion. https://www.press.bmwgroup.com/global/article/detail/T0455864EN/bmw-group-to-deploy-humanoid-robots-in-production-in-germany-for-the-first-time

AEON Robotics. (2026). AEON Roboter. https://www.aeonrobotics.com

Figure AI. (2026). Figure Roboter. https://www.figure.ai

Zur Person

em. Univ. Professor DDr. Hans Robert Hansen,

ist emeritierter Professor für Management und Informationssysteme an der Wirtschaftsuniversiät in Wien.

Hansen, H.
(2026, April 15).
Sozial-, Service- und Assistenzroboter für die Pflege
magazin.pflegenetz.at
https://magazin.pflegenetz.at/artikel/hansen-robert

unser infoservice

Wir informieren Sie sehr gern über zukünftige Neuerscheinungen und interessante Artikel. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe

Anzeige

pflegenetz.­newsletter

Mit unserem Newsletter informieren wir Sie
1x monatlich über Aktuelles, Neues und Wissenswertes aus dem Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich.

© pflegenetz 2026