Vertrauensvolle Gespräche am Lebensende sind die Basis für eine individualisierte Betreuung. Betreuenden erleben Gespräche jedoch oftmals als schwierig, vor allem wenn sie mit negativen Emotionen konfrontiert werden. Kommunikation kann erlernt bzw. verbessert werden und hierfür sind Simulationstrainings die bestmögliche Lernform. Ein interprofessionelles Simulationstraining zur Kommunikation in palliativen Situationen wird vorgestellt.
Bedeutung der Kommunikation am Lebensende
Je näher das Lebensende rückt, desto kostbarer wird die verbleibende Zeit. Vertrauensvolle Betreuungsbeziehungen können hilfreich dabei sein, diese gut zu gestalten. Um Vertrauen entstehen zu lassen, braucht es echte Sorge um das Wohlergehen unserer Mitmenschen (Lama et al., 2019). In diesem Kontext nimmt die Kommunikation eine Schlüsselrolle ein, da sie die Grundlage für das Verständnis individueller Bedürfnisse, Werte und Präferenzen der Betroffenen ist (siehe Abbildung 1). Sie ist ein zentraler Bestandteil der Palliativbetreuung und wird zunehmend als grundlegendes Element qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung anerkannt.
Abb.1. Das gelungene Gespräch
Zahlreiche Studien zeigen, dass frühzeitige und strukturierte Kommunikation über Prognose, Therapieziele und Behandlungsoptionen wesentlich zur Verbesserung der Versorgungsqualität beiträgt. Insbesondere „End-of-life discussions“ ermöglichen es Patient*innen, ihre persönliche Präferenzen einzubringen und informierte Entscheidungen über ihre Behandlung zu treffen (Evans et al., 2013). Offene Kommunikation trägt dazu bei, unrealistische Erwartungen an medizinische Behandlungen zu reduzieren, eine an den Wünschen der Patient*innen orientierte Versorgung zu fördern und (Olsson et al., 2021) und unnötige medizinische Behandlungen zu reduzieren (Zhang et al., 2009).
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Förderung von „shared decision-making“, also einer gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Patient*innen, Angehörigen und medizinischem Personal. Forschungsergebnisse zeigen, dass Patient*innen, die aktiv in Gespräche über Behandlungsziele eingebunden sind, häufiger Entscheidungen treffen, die ihren persönlichen Werten entsprechen (Huang, 2025). Darüber hinaus wird die Integration palliativer Versorgungsansätze erleichtert, wenn frühzeitig über Krankheitsverlauf und Therapieziele gesprochen wird.
Neben der direkten Kommunikation mit Patient*innen am Lebensende ist auch der Einbezug ihrer Angehörigen von Bedeutung, das diese häufig eine zentrale Rolle in der Entscheidungsfindung und der emotionalen Unterstützung der Betroffenen einnehmen. Klare und empathische Kommunikation mit Angehörigen kann zu einer höheren Zufriedenheit mit der Versorgung führen und gleichzeitig psychische Belastungen, wie etwa Angst oder komplizierte Trauerreaktionen reduzieren (Lykke et al., 2022).
Trotz der nachgewiesenen Bedeutung stellt die Kommunikation über das Lebensende für viele Gesundheitsfachkräfte eine Herausforderung dar und sie geben an, häufig Unsicherheit in Gesprächen über Prognose, Sterben und Tod zu erleben (Anderson et al., 2019). Gründe hierfür sind unter anderem fehlende Ausbildung in kommunikativen Kompetenzen, Zeitdruck im klinischen Alltag sowie die emotionalen Belastungen, die mit solchen Gesprächen verbunden sind. Vor allem der Umgang mit negativen Emotionen der Patient*innen oder Angehörigen erschwert Gespräche. Kulturelle Unterschiede machen die Gesprächsführung zusätzlich komplex, da die Vorstellungen über Krankheit, Sterben und Autonomie je nach kulturellem Hintergrund stark variieren (Sharma & Dy, 2011).
Es gibt zahlreiche Theorien, Modelle und Anleitungen zur Kommunikation. Studien belegen, dass Kommunikation erlernt werden kann und Kommunikationstrainings Wirkung zeigen (Mata et al., 2021; Gysels et al., 2005). Simulationstrainings mit professionellen Schauspieler*innen kommen dabei der Realität des Berufsalltags am nächsten und sind durch das direkte Feedback der Schauspieler*in als Betroffene die bestmögliche Lernform (Peters et al., 2019). Im Folgenden wird ein konkretes Beispiel für solch ein Training vorgestellt.
SimKoPall – Interprofessionelles Simulationstraining zur Kommunikation in palliativen Situationen
Ausgehend von Erfahrungen israelischer Kolleg*innen, die seit 2012 Simulationstrainings zur Kommunikation in der Palliative Care durchführen (Brezis et al., 2017), entstand die Idee, ein interprofessionelles Simulationstraining für Gesundheitsberufe in der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zu entwickeln. Im Rahmen eines vom Tiroler Gesundheitsfonds geförderten Projekts wurde das Programm von 2020 bis 2024 erarbeitet. Zwei Pflegepersonen und drei Ärztinnen mit Expertise in der Palliative-Care absolvierten die Ausbildung zu zertifizierten Simulationstrainer*in bei InPass – Institut für Patientensicherheit und Simulation. Wichtige Impulse lieferte zudem der Austausch mit der Österreichischen Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK), die im Schwerpunkt „Gute Gesprächsqualität im Gesundheitswesen“ ebenfalls Kommunikationstrainings anbietet.
SimKoPall wird als ganztägige Fortbildung angeboten. Gestaltet wird der Trainingstag für die interprofessionelle Gruppe von bis zu 13 Teilnehmenden von einem Trainer*innenteam, das aus einer Pflegeperson und einer Medizinerin besteht und von einer professionellen Schauspielerin unterstützt wird. In der Vorstellungsrunde werden die Teilnehmenden bereits gefragt, was das Herausfordernde in der Kommunikation am Lebensende ist. Sie schildern hier Situationen aus ihrem Arbeitsalltag, die sie als schwierig erleben. Nach einem kurzen Theorie-Input geht es in die Simulationen. Dabei kommen einerseits vorbereitete Szenarios zum Einsatz, andererseits werden die geschilderten Situationen der Teilnehmenden aufgegriffen und simuliert.
Kernstück der Simulation ist das Debriefing, das als Ort des tiefen Lernens zu verstehen ist (Rudolph et al., 2008). In dieser interaktiven Nachbesprechung findet ein reger Austausch zwischen jenen, die in der Simulation waren, der Schauspielerin, den anderen Teilnehmenden sowie den Trainer*innen statt. Durch Feedback und gemeinsame Reflexion werden Hintergründe und Auswirkungen des Verhaltens analysiert. Gegebenenfalls werden fachliche Informationen durch die Trainer*innen ergänzt. Szenarios werden mit Einverständnis teilweise gefilmt und bei Bedarf im Rahmen des Debriefings angesehen. Der Tag endet mit einer Abschlussrunde, wo unter anderem gefragt wird, was die Teilnehmenden für ihre berufliche Tätigkeit mitnehmen („Take-home-Messages“).
Die Begleitforschung zeigt, dass die Trainings sehr positiv erlebt werden und sie das Können und Wissen sowie die Sicherheit der Teilnehmenden in der Kommunikation nachhaltig erhöhen. Die Analyse der Take-home-Messages gibt einen Einblick in die Vielfalt der gewonnenen Erkenntnisse zur Kommunikation am Lebensende: Dass es um die Begegnung zwischen Betroffenen und Behandelnden als Menschen geht, in der das Verständnis füreinander bedeutsam ist, um den gemeinsamen Weg gut gehen zu können. Dass die Behandelnden oftmals mit ihrem Da-Sein mehr bewirken als mit ihren Worten. Dass es gilt Schweigen, Pausen und negative Emotionen auszuhalten und mitzutragen und nicht gleich ins Tun zu kommen oder Lösungen vorzugeben. Dass es wichtig ist, die eigenen persönlichen und professionellen Möglichkeiten und Grenzen vor Augen zu haben und dass letztlich alle Professionen in der Kommunikation am Lebensende vor den gleichen Herausforderungen stehen.
Anderson, R. J., Bloch, S., Armstrong, M., Stone, P. C., & Low, J. T. S. (2019). Communication between healthcare professionals and relatives of patients approaching the end of life: A systematic review of qualitative evidence. Palliative Medicine, 33(8), 926–941. doi:10.1177/0269216319852007
Brezis, M., Lahat, Y., Frankel, M. et al. (2017). What can we learn from simulation-based training to improve skills for end-of-life care? Insights from a national project in Israel. Isr J Health Policy Res 6(1), 48. doi:10.1186/s13584-017-0169-9
Chen, W., Chung, J. O. K., Lam, K. K. W., & Molassiotis, A. (2023). End-of-life communication strategies for healthcare professionals: A scoping review. Palliative Medicine, 37(1), 61–74. doi:10.1177/02692163221133670
Evans, N., Pasman, H. R., Vega Alonso, T., Van den Block, L., Miccinesi, G., Van Casteren, V., Donker, G., Bertolissi, S., Zurriaga, O. Deliens, L. & Onwuteaka-Philipsen, B. (2013). End-of-life decisions: A cross-national study of treatment preference discussions and surrogate decision-maker appointments. PLoS ONE, 8(3), e57965. doi:10.1371/journal.pone.0057965
Gysels, M., Richardson, A. & Higginson, I.J. (2005). Communication training for health professionals who care for patients with cancer: a systematic review of training methods. Support Care Cancer. 13(6):356-66. doi:10.1007/s00520-004-0732-0
Huang, H.-L. (2025). Shared decision-making with palliative care specialist. Journal of Hospice and Palliative Care, 28(4), 131-137. doi:10.14475/jhpc.2025.28.4.131
Im, J., Mak, S., & Upshur, R. (2019). End-of-life communication in chronic illness trajectories: A qualitative study. BMC Palliative Care, 18, 113. doi:10.1186/s12904-019-0493-7
Lama, D., Tutu D. & Abrams, D. (2019). Das Buch der Freude. München: Heyne Verlag.
Lykke, C., Ekholm, O., Schmiegelow, K., Olsen, M., & Sjøgren, P. (2022). End-of-life communication: A nationwide study of bereaved parents’ perceptions. BMJ Supportive & Palliative Care, 12(4), e616–e622. doi:10.1136/bmjspcare-2018-001709
Mata, Á.N.S., de Azevedo, K.P.M., Braga, L.P. et al. (2021). Training in communication skills for self-efficacy of health professionals: a systematic review. Hum Resour Health 19, 30 (2021). doi:10.1186/s12960-021-00574-3
Olsson, M. M., Windsor, C., Chambers, S., & Green, T. L. (2021). A scoping review of end-of-life communication in international palliative care guidelines for acute care settings. Journal of Pain and Symptom Management, 62(2), 425–437. doi:10.1016/j.ipainsymman.202.11.032
Peters, T., Sommer, M., Fritz, A.H. et al. (2019). Minimum standards and development perspectives for the use of simulated patients – a position paper of the committee for simulated patients of the German Association for Medical Education. GMS journal for medical education 36(3), Doc31; doi:10.3205/zma001239
Sharma, R.K. & Dy, S.M. (2011). Cross-Cultural Communication and Use of the Family Meeting in Palliative Care. American Journal of Hospice and Palliative Medicine 28(6):437-444. doi:10.1177/1049909110394158
Silverman, J., Kurtz, S. & Draper, J. (2013). Skills for Communication with Patients. London: CRC Press
Zhang, B., Wright, A. A., Huskamp, H. A., Nilsson, M. E., Maciejewski, M. L., Earle, C. C., Block, S. D., & Prigerson, H. G. (2009). Health care costs in the last week of life: Associations with end-of-life conversations. Archives of Internal Medicine, 169(5), 480–488. doi:10.1001/archinternmed.2008.587
Dr. Christine Rungg
DGKP und Psychologin, Doktorat in Palliative Care; freiberufliche Referentin und Simulationstrainerin; Mitglied Entwicklungs- und Leitungsteam SimKoPall
Kontakt
fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH
Innrain 98, 6020 Innsbruck
christine.rungg@fhg-tirol.ac.at
https://www.tirol-kliniken.at/page.cfm?vpath=simkopall
Wir informieren Sie sehr gern über zukünftige Neuerscheinungen und interessante Artikel.
Mit unserem Newsletter informieren wir Sie
1x monatlich über Aktuelles, Neues und Wissenswertes aus dem Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich.
| Cookie | Dauer | Beschreibung |
|---|---|---|
| _ga | 2 years | The _ga cookie, installed by Google Analytics, calculates visitor, session and campaign data and also keeps track of site usage for the site's analytics report. The cookie stores information anonymously and assigns a randomly generated number to recognize unique visitors. |
| _ga_8L3SGDD488 | 2 years | This cookie is installed by Google Analytics. |