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Erika Ziltener
Wissen ist Macht und sorgt für Qualität
auch in der Pflege

Pflegefachpersonen wollen sicher pflegen. Um diesem Anspruch zu genügen, müssen die Institutionen des Gesundheitswesens einen vollständigen Wissenstransfer gewährleisten. Dieser sollte das erlernte und das erfahrene Berufswissen, das Wissen des Berufsverbandes und von Lehre und Forschung umfassen. Mit dem medizinischen Fortschritt wird der Wissenstransfer noch wichtiger. Er muss die Patient*innensicherheit und die Qualität der Pflege gewährleisten. Die Frage, welches Wissen bereits wo und in welcher Form vorhanden ist und wie eine Fachperson auf dieses zugreifen kann, stellt das Gesundheitspersonal vor große Herausforderungen. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf die pragmatische und exemplarische Umsetzung von Wissen im Pflegealltag.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse als Basis für die praktische Arbeit

Der Wissenstransfer funktioniert, wenn die Fachpersonen für das Wissen sensibilisiert sind, dieses akzeptiert und zugänglich ist und Rahmenbedingungen für die Überführung in die Praxis vorhanden sind. Voraussetzungen auf individueller Ebene sind, dass der Pflegeberuf aus Interesse gewählt wurde, sowie laufende Weiterbildung, Sammlung praktischer Erfahrung und Verinnerlichung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Für den kollektiven Wissenstransfer sind gemäss Journal-Club-Konzept die folgenden Voraussetzungen notwendig:

  • Nationale und internationale neueste Erkenntnisse müssen vorhanden sein.
  • Die Fachpersonen müssen die Erkenntnisse anerkennen.
  • Dozent*innen müssen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in den Unterricht integrieren.
  • Die Studierenden müssen aus dieser Perspektive bestmöglich auf den Berufseinstieg und auf den Umgang mit gesundheitspolitischen Herausforderungen vorbereitet sein.
  • Die Institution muss die Rahmenbedingungen für den Wissenstransfer schaffen.

Für die Pflegefachperson wird eine Information erst dann zu Wissen, wenn sie diese nutzen und im Team austauschen kann. Wissensmanagement bedeutet deshalb, die Mitarbeitenden zu motivieren und zu befähigen, Wissen aufzubauen, zu nutzen und weiterzugeben, aber auch für Wissenslücken zu sensibilisieren. Erkennt eine Pflegefachperson eine Wissenslücke, kann sie sich das Wissen aneignen.
Seit Jahren ist die Medikation einer der Hotspots von Fehlerquellen. Die Medikamentenlehre ist in der Grundausbildung zur Pflegefachperson verankert. Ein breites Angebot an Weiterbildungen steht zur Verfügung. So bietet z.B. H+ ‘Die Spitäler der Schweiz’ Lehrgänge an. Instrumente zur Medikationssicherheit sind vorhanden, ein strukturierter Wissenstransfer ist jedoch nicht erkennbar.

Erfahrungswissen

Wenn eine Pflegefachperson nach ihrer Ausbildung in der ambulanten Pflege arbeitet, ist sie primär auf sich selbst gestellt. Sie setzt ihr erlerntes Wissen ein, absolviert Weiterbildungen und lernt aus ihren Erfahrungen. In der Langzeitpflege ist der Wissenstransfer nicht strukturiert. Er erfolgt individuell, über eine Spitex-Organisation, den Spitexverband oder eine Langzeitinstitution. Das Wissen um die Medikationsproblematik ist bekannt. Gemäß Helsana-Arzneimittel-Report hatten 87,3% der Spitex-Patient*innen mindestens fünf Bezüge verschiedener Medikamente. Die durchschnittliche Anzahl Medikamente pro Spitex-Patient*in lag bei 16 Präparaten. Polypharmazie ist sehr oft auf Medikationsfehler zurückzuführen, verbunden mit Interaktionen, die für die Patient*innen gravierende Folgen haben können. Lösungsansätze sind jedoch vorhanden. Die Stiftung für Patientensicherheit befasst sich regelmässig mit der Problematik. Die Akademische Fachgesellschaft für Gerontologische Pflege warnt mit einer Top-5-Liste «Vermeiden Sie die Verabreichung von Reservemedikationen wie Sedativa, Antipsychotika oder Hypnotika bei einem Delir, ohne die zu Grunde liegenden Ursachen zuerst abzuklären, zu eliminieren oder zu behandeln.

Wissenstransfer in der interdisziplinären Zusammenarbeit

Bedeutend ist er Wissenstransfer für die interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ). Die IPZ steht vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts und der Spezialisierung der verschiedenen Bereiche vor großen Herausforderungen.
Die Pflegeberufe sind geprägt von Kulturunterschieden der Berufsgruppen, von Konkurrenzdruck, Statusdifferenzen und starkem Abgrenzungsbedürfnis. Der Wissenstransfer funktioniert, wenn diese Hürden abgebaut werden, die Abstimmung der verschiedenen Bereiche stattfindet und das erlernte, intensiv trainierte und erworbene Berufswissen abgeholt wird. Die große Leistungskraft einer funktionierenden IPZ liegt darin, dass jede Fachperson weiß, was sie zu tun hat. Jede Fachperson ist in ihrer Disziplin trainiert und bringt ihre Fertigkeiten im Wissen um die Kompetenzen der jeweils anderen ein. Kompetenz meint hier, sowohl spezifische Aufgaben wahrnehmen zu können, als auch die Zuständigkeiten der anderen anzuerkennen. Der Wissenstransfer innerhalb der Pflegeberufe findet somit statt, wenn die gegenseitige Akzeptanz vorhanden und die eigenen Grenzen anerkannt sind. Die Fachperson muss fähig sein, Unterstützung anzufordern und Handlungsempfehlungen zu befolgen.
Wie der Wissentransfer dabei erfolgen muss, lässt sich am relativ neuen Berufsprofil der Pflegeexpertin Advanced Practice Nurse (APN) zeigen. Die Rolle der APN in den verschiedenen Bereichen ist auch Untersuchungsgegenstand einer Kerngruppe des BAG. Der APN kommt beim Wissenstransfer innerhalb der Pflege aber auch mit Partnerorganisationen der Grundversorgung große Bedeutung zu. So viel steht bereits heute fest. Sie kann eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit mit der*dem Hausärzt*in und interprofessionellen Teams einnehmen und als Fachcoaches in der Langzeitpflege notwendige Unterstützung bieten. Voraussetzung dazu ist, dass sie sämtliche Bereiche miteinbezieht, die der Pflege eines*r Patient*in mitwirken. Wenn bei einer Patientin die Physiotherapie, Ernährungsberatung, ärztliche Spezialdienste, Fachpersonen einer Spitex-Organisation und weitere Expertinnen und Experten involviert sind, müssen alle gemeinsam ein Team bilden.
Wissen nach «außen» tragen
Die gemeinsame Diskussion von wissenschaftlichen Erkenntnissen in Fachgremien ist für den Wissenstransfer unabdingbar. Die hohe vorhandene wissenschaftliche Kompetenz und Expertise in der Forschung müssen den Teilnehmer*innen zur Verfügung gestellt und für den Wissenstransfer «nach außen» sorgen. Dieser kann durch gute Vernetzung innerhalb einer bestimmten Community mit den Expert*innen zu aktuellen Themen stattfinden. Wichtig bei den Fachdiskussion ist, dass unterschiedlichste berufliche Disziplinen vorhanden sind und neue Sichtweisen und Perspektiven zu einem Thema eröffnen und fachübergreifende Aktivitäten auslösen.

Fazit

Der Wissenstransfer ist für die Gewährleistung der Patient*innensicherheit und die Qualität der Behandlung essenziell. Enormes Wissen ist vorhanden, wird laufend generiert und vom medizinischen Fortschritt auch verlangt. Ein strukturierter und verbindlicher Wissenstransfer in der Pflege fehlt jedoch weitgehend. Dringender Handlungsbedarf ist gegeben, dem insbesondere bei der Implementierung neuer Berufsprofile Priorität eingeräumt werden sollte.

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Literatur

Journal-Club-Konzept (2020). Institut für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg.

Helsana-Arzneimittel-Report (2020). Krankenversicherung Helsana.

Progress! Sichere Medikation in Pflegeheimen, https://www.patientensicherheit.ch

Top-5-Liste Gerontologische Pflege (2019). https://www.smartermedicine.ch

Definition APN (2020). International Council of Nurses.

Bundesamt für Gesundheit (BAG) (2021). Kerngruppe medizinische Grundversorgung, Forumsthema Berufsbilder Langzeitpflege .

Zur Person

Erika Ziltener
Lic. phil. Historikerin
Dipl. Pflegefachfrau
Dozentin Gesundheitswesen
Zürich, Schweiz

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