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Silvia Bauer, Lena Lampersberger, Christa Lohrmann
13. Jubiläum der Pflegequalitätserhebung 2.0

Das Ziel der Pflegequalitätserhebung ist die Erfassung von Daten zu verschiedenen Pflegeindikatoren in unterschiedlichen Gesundheitseinrichtungen, beispielsweise Dekubitus oder Mangelernährung. Die Erhebung hilft allen teilnehmenden Einrichtungen dabei ihre Stärken und Verbesserungspotenziale zu erkennen und durchgeführte Veränderungen zu evaluieren. So ist die Pflegequalitätserhebung für die Praxis aber auch für die Forschung ein wichtiges Instrument zur Optimierung der pflegerischen Versorgung.

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Von 9. bis 11. November 2022 fand bereits zum 13. Mal die Pflegequalitätserhebung in Österreich statt. Wir freuen uns sehr, dass, trotz der nach wie vor herausfordernden Umstände, das Interesse an der Erhebung weiterhin hoch ist. 35 Einrichtungen aus ganz Österreich nahmen an der Erhebung teil. Insgesamt konnten wir seit Beginn der Erhebung im Jahr 2009 Daten von mehr als 47000 Patient*innen und Pflegeheimbewohner*innen sammeln.

Die Pflegequalitätserhebung ermöglicht die objektive und umfassende Sammlung und Darstellung von Daten zu Dekubitus, Inkontinenz, Mangelernährung, Sturz, freiheitsbeschränkenden Maßnahmen und Schmerzen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Anhand dieser Daten können Einrichtungen die pflegerische Situation transparent darstellen. So können Veränderungen geplant und durchgeführt und anhand der Erhebung in den darauffolgenden Jahren evaluiert werden. Durch diesen Prozess kann die Qualität in der Pflege optimiert werden. Die Pflegequalitätserhebung bildet dafür die Grundlage, da sie objektiv, standardisiert und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgt (Polit & Beck, 2016).

Alle teilnehmenden Einrichtungen bekommen wenige Tage nach der Erhebung ihre Ergebnisse in einem Dashboard zur Verfügung gestellt. Im Dashboard befindet sich eine Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse und eine detaillierte Ergebnisdarstellung. Nimmt eine Einrichtung bereits seit mehreren Jahren teil, werden hier auch Veränderungen über die Jahre ersichtlich. Vor allem den raschen und dennoch aussagekräftigen Überblick über die Ergebnisse beurteilen unsere Teilnehmer*innen sehr positiv. Sie berichten, dass sie anhand der Daten zum Beispiel neue Anschaffungen argumentieren können (Osmancevic et al., 2021). Außerdem bieten die Ergebnisse die Möglichkeit pflegerelevante Themen bei Diskussionen innerhalb des Teams in den Fokus zu stellen.

Basierend auf den Ergebnissen können Veränderungen initiiert werden. Doch dazu müssen zuerst Prioritäten festgelegt werden. Die Daten, welche im Zuge der Pflegequalitätserhebung erhoben wurden, liefern wertvolle Ansatzpunkte, in dem sie aufzeigen in welchen Bereichen die Prävalenzraten hoch und das Vorhandensein pflegerischer Maßnahmen vergleichsweise gering sind. Sind Prioritäten festgelegt, können in weiterer Folge konkrete Maßnahmen geplant werden. Nimmt die Einrichtung im darauffolgenden Jahr erneut an der Pflegequalitätserhebung teil, können die eingeführten Maßnahmen evaluiert und die Ergebnisse der beiden Jahre miteinander verglichen werden. Zum Beispiel wurde aufgrund der erhobenen Daten in einem Krankenhaus ein Projekt zur Sturzprophylaxe initiiert, wodurch die Sturzprävalenz von 7,2% auf 3,9% gesunken ist (Osmancevic et al., 2021).

Nicht nur für die teilnehmenden Einrichtungen liefern die Ergebnisse der Pflegequalitätserhebung wertvolle Einblicke in die pflegerische Praxis, auch wir vom Institut für Pflegewissenschaft der Medizinischen Universität Graz nutzen die Daten für unseren jährlichen österreichweiten Bericht. Jede teilnehmende Einrichtung bekommt den Bericht zugesendet. Aber auch andere interessierte Personen können den Bericht per Mail bestellen (pflegequalitaetserhebung@medunigraz.at).

Im Bericht werden alle erhobenen Daten genau beschrieben. Exemplarisch wird nachfolgend das Thema Mangelernährung vorgestellt. Dafür werden verschiedene Risikofaktoren erhoben, beispielsweise der Body Mass Index (BMI) oder ein ungewollter Gewichtsverlust. Daraus wird anschließend berechnet, inwieweit bei einer Person ein Risiko für Mangelernährung besteht. Im Bericht zur Pflegequalitätserhebung 2021 lässt sich erkennen, dass zum Zeitpunkt der Datenerhebung insgesamt 22% der Teilnehmer*innen ein Risiko für Mangelernährung hatten. Die häufigsten ernährungsbezogenen Maßnahmen waren die Überweisung zur Diätologie, die „Wunschkost“ und das Mangelernährungs-Screening.

Aus diesen Ergebnissen werden weiterführende Forschungsfragen abgeleitet. Beispielsweise wurde basierend auf der Pflegequalitätserhebung ein Screeninginstrument in einem Krankenhaus implementiert (Eglseer et al. 2019) und ein österreichweites Projekt zum Wissen von Pflegepersonen zu Mangelernährung durchgeführt (Bauer et al., 2015). Aber auch Projekte zu anderen Themen, wie z. B. Sturz und Inkontinenz, hatten ihren Ausgangspunkt in der Pflegequalitätserhebung. Alle diese Projekte haben in der Folge pflegerelevante Fragestellungen untersucht und somit für die Praxis relevante Empfehlungen abgeleitet. Somit liefert die Pflegequalitätserhebung einen wertvollen Input für die Pflegepraxis und -wissenschaft.

Um den Nutzen der Erhebung für Gesundheitseinrichtungen zu erhöhen, bieten wir umfassende Unterstützung an, wie Sprechstunden für individuelle Fragen, Hilfe bei der Interpretation der Daten und Ergebnispräsentationen in Einrichtungen. Dadurch helfen wir bei der Aufbereitung der Ergebnisse und dem Einleiten möglicher Veränderungen.

In der Hauskrankenpflege gibt es derzeit keine unabhängigen vergleichbaren Erhebungen, obwohl der Bedarf an professioneller Pflege zuhause stetig steigt und eine qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung sichergestellt werden soll (Genet et al., 2012). Daher haben wir die Pflegequalitätserhebung letztes Jahr im kleineren Rahmen auch in der Hauskrankenpflege getestet. Diese Piloterhebung verlief erfolgreich und zeigte, dass die Erhebung auch in der Hauskrankenpflege unterstützt, das eigene Handeln und die Pflegepraxis zu reflektieren und zu hinterfragen (Bauer et al. 2022). Wir sind optimistisch, dass die Pflegequalitätserhebung in den nächsten Jahren auch zu einem festen Bestandteil der Evaluierung der pflegerischen Versorgung im häuslichen Setting werden wird.

Der Bericht mit den Daten der 13. Pflegequalitätserhebung 2022 wird im März 2023 zur Verfügung stehen. Auf unserer Homepage (www.lpz-um.eu) finden Sie die Berichte aus den Vorjahren. Wenn Sie Interesse an der Pflegequalitätserhebung haben oder sich informieren möchten, schauen Sie auf unserer Homepage, auf unserer Facebookseite (https://www.facebook.com/pflegequalitaetserhebung) oder auf Instagram (@medunigrazpflegewissenschaft) vorbei. Sie können uns selbstverständlich gerne auch telefonisch (+43 316 385 72083) oder per E-Mail (pflegequalitaetserhebung@medunigraz.at) kontaktieren.

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Literatur

Bauer, S., Lampersberger, L., Osmancevic, S. (2022). Großes Interesse für die Piloterhebung – die Pflegequalitätserhebung 2.0 in der Hauskrankenpflege. ProCare, 9, 50-52.

Bauer, S., Halfens, RJG., Lohrmann, C. (2015). Knowledge and attitudes of nursing staff towards malnutrition care in nursing homes: A multicentre cross-sectional study. Journal of Nutrition, Health & Aging, 19, 734-740.

Eglseer, D., Schoberer, D., Halfens, R., Lohrmann, C. (2019). The impact of using a malnutrition screening tool in a hospital setting: a mixed methods study. European Journal of Clinical Nutrition, 73, 284-292.

Genet, N., Boerma, W., Kroneman, M., Hutchinson, A., Saltman, R. B., & Organization, W. H. (2012). Home care across Europe: current structure and future challenges. World Health Organization. Regional Office for Europe.

Osmancevic, S., Lampersberger, L. M., & Bauer, S. (2021). Daten erheben—Ergebnisse vergleichen und verbessern. ProCare, 26(6), 46-48.

Polit, D., & Beck, C. (2016). Nursing research: Generating and Assessing Evidence for Nursing Practice. Lippincott, Williams & Wilkins.

Zur Person

Dr.in Silvia Bauer, MSc, BSc

Universitätsassistentin; tätig in Lehre und Forschung

Institut für Pflegewissenschaft, Medizinische Universität Graz

Lena Lampersberger, MSc, BScN

Universitätsassistentin; tätig in Lehre und Forschung

Institut für Pflegewissenschaft, Medizinische Universität Graz

Univ.-Prof.in Dipl.-Pflegepäd.in Dr.in Christa Lohrmann

Institutsvorständin

Institut für Pflegewissenschaft, Medizinische Universität Graz

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